Marianne Dissard

»L'Abandon«

Groove Attack

Mit der Schublade »desert chanson« kann Marianne Dissard noch immer gut leben. Seit Jahren lebt die gebürtige Französin in Tucson/Arizona, eine Stunde von der mexikanischen Grenze entfernt. Sie textet, macht Videos und veröffentlichte 2008 ihr eigenes Debüt »L’entredeux«. Unter der Sonne der Calexico-Masterminds Joey Burns und John Convertino entstand ihr Erstling, komplett auf Französisch gesungen. Mit ihren Texten gewann sie 2009 den prestigeträchtigen Coup De Coeur der Académie Charles Cros, dem französischen Pendant zum Grammy Award. Musikalisch war sie selbst nicht mit der Umsetzung zufrieden und nahm 2010 das komplette Album plus den ersten Nummern des neuen Albums noch mal auf: »Paris One Take Format«: kostenloser download : www.mariannedissard.com. »L’Abandon« wurde in Rom gemeinsam mit dem Komponisten und Ennio-Morricone-Schüler Christian Ravagnoli entwickelt. »L’Abandon« – deutsch: »die Abkehr ist Konzept und Umsetzung« – ist ein Songzirkel, dessen Einzelteile kleine Hirnfilme sind. ?ppige Arrangements mit Chören, Lapsteel Guitar und singender Säge, Samples aus Nachrichtensendungen (incl. Angela Merkel als Sound-Spenderin) und dem treibenden Schlagzeug von Arthur Vint (Naïm Amor Band) lösen das Album aus der Chanson-Zwinge und verleihen Leichtigkeit und Abwechslung.

Nach wie vor ist Französisch als Sprache dominant (Marianne Disssard wollte eigentlich ein englischsprachiges Album machen), doch dringen immer mehr spanische, italienische und englische Passagen durch und verdeutlichen damit das Anliegen, ein europäisches Album mit internationalem Horizont zu schaffen. Man ertappt sich beim Gedanken: Das könnte das Calexico-Album sein, das den Fans des »Tucson-Sounds« vorenthalten wurde; auch Howe Gelb (Giant Sand, dessen Bassist Thøger Lund auf dem Album mitwirkt) wäre auf seine alte Bekannte stolz.