Kevin Richard Martin

»Sirens«

Room40

Es geht um Kevin Richard Martin alias The Bug, Ladybug oder schlicht Kevin Martin, neben Justin Broadrick Teil der Band Techno Animal, Mitglied von God und jetzt auch als Kevin Richard Martin solo und allein Herausgeber des Albums »Sirens«. Schaut man sich seine düsteren oder zumindest Bass-lastigen Veröffentlichungen an (vornehmlich Industrial, Dub), ist das düstere, aber recht gediegene, ziemlich »persönlich« klingende Ambient-Drone-Album nur konsequent und genaugenommen das, was man sich wünscht, verfolgt man Martins Arbeiten über die Jahre. Bei den leisen, langsamen Tönen auf »Sirens« hat man nun auch mal die Möglichkeit, sich den Nuancen hinzugeben, die nichtdestotrotz in der von ihm gewohnten Vehemenz vorgetragen werden. »There Is A Problem« und »Bad Dream« heißen die ersten Nummern, und auch die nächsten sind so düster gehalten. Freundliche Töne bleiben die Ausnahme, klingen aber durch rauschende Nebelwände wie Lichter hindurch, wie im genannten »Bad Dream«, in dem wenige Leuchtpunkte erscheinen, die aber umso stärker wirken. Die Welt klingt teils so tödlich und fern, wie während einer Panikattacke. »Life Threatening Operation 2« ist der mit fast elf Minuten längste Track. Aus einem Text von Lawrence English zur Veröffentlichung von Martin erfährt man, dass tatsächlich eine lebensbedrohliche Operation seines Kindes und dessen Mutter sich als ein einschneidendes Erlebnis in seine Vita einbrannte und ihn zu diesem Album wohl wesentlich inspirierte. Es ist ein Glockenspiel, dass im Wesentlichen als Gegengewicht zum Rauschen, Summen, Surren, Sirenen dient. So leise und sanft es auch ist, seine Wirkung, nämlich dem Ganzen einen optimistischen Ton zu verleihen, tut es, siehe »Alarms«. »Kangaroo Care« entzückt, es ist einer von mehreren nur etwa dreiminütigen Schnipseln, quasi Kurzausflüge in Zonen der Seele Martins. Zum Ende hellt es insgesamt etwas auf, angefangen mit »Loss Of Consciousness« über »Finalling« mit Harold-Budd-Feeling hin zu »A Bright Future«. Nun, Drone-Alben schießen ja wie Pilze aus den Böden der Plattenregale. Umso erfreulicher, wenn eine Neuveröffentlichung auf Anhieb in den Bann zieht und begeistert. »Sirens« ist so eine. Während Martins Arbeiten einen sonst mit ihrer schieren Wucht wegblasen, erfreuen die Stücke hier durch eine tiefe, sensible Schönheit.