The Flaming Lips

»Finally The Punk Rockers Are Taking Acid« / »The Day They Shot A Hole In The Jesus Egg«

Restless

Der luxuriös aufgemotzte Backkatalog als Dreier- und Doppelpackungen. Der Acid-Teil beinhaltet die Alben »Hear It Is« (’86), »Oh My Gawd« (’87) und »Telepathic Surgery« (’88), sowie die erste EP (’84), frühe Proberaumaufnahmen (’83) und Livezeug (’85/’87). Die Sachen vor der ersten LP, bei denen noch Wayne Coynes Bruder Mark singt, sind vergessenswert, live sind viele unnötige Covers zu hören (Led Zeppelin, Neil Young, Sonic Youth). Die LPs überleben als Dokumente drogenkranker Möchtegern-Rocker, die in ihrer Naivität doch hin und wieder seltene Glückstreffer landeten. Wobei das Drogen-Image viel zu spekulativ auf dem Tisch liegt. Sie waren ja auch noch jung und glaubten als irregeleitete Punks, dass Handwerk nichts zählt. Da auf dem Gebiete der Sickness die Butthole Surfers ohnehin unüberbietbar waren, wandten sich die Flaming Lips in Folge anderen Dingen zu.
Die zweite Packung bringt »In A Priest Driven Ambulance«, die »Unconsciously Screaming«-EP und die »Drug Machine«-7″, plus Demos für die LP. Durch Neuzugang Jonathan Donahue (später Mercury Rev) und den Beginn der Zusammenarbeit mit ihrem bis heute stetigen Produzenten Dave Fridmann machte die Band einen Riesenschritt. Ihre symphonischen Pop-Ambitionen schlagen endlich voll durch, das Songwriting ist ungleich fokussierter und die Jesus-Metaphern wirken nicht mehr so beliebig. Ohne Scham begibt sich die Band in pathosgeladene 60ies-Gefühle, die sie mit ihren Science-Fiction-Gitarren zudröhnen. Da kann am Ende eigentlich nur mehr »What A Wonderful World« kommen.