Primal Scream

Evil Heat

Columbia

Komm in das Haus der Laszivität, Sonnenbruder! Blumenhemden unterm Parker hatten Primal schon immer. Vom elegant italienisch designten Stiletto ganz zu schweigen. Nach dem Rave-Remixer-Ruhm durch Weatherall hatten die Jungs sich erst mit »Vanishing Point« 1997 von vorlauten Hippie-Trampeln zu einer richtigen, wohl gemerkt einer fucking phänomenalen Band entwickelt. Seitdem knallt es links-rechts und jedes Release erfindet das ratternde Rock-Rad der Geschichte neu. Right on Time zum Revival rotziger Gitarrenkultur und Live-Haudrauf in ihrer schlechtmöglichsten Form fausten sie eine neue monströse Cyberpop-Plastik unter die geclubbten Volkschaften. Das hat nichts, rein gar nichts mit dem zur Liftmusik geglätteten Stinkrabatz der Strokes zu tun, gar nichts mit der »wüsten« Bühnenpossierlichkeit des Black Rebel Motorcycle Club, in der pseudo-authentisches Retro-Gehabe die Klangstaffage für blaßgesichtiges Körpergelecke und den Drogenprim wird. Primal aber bleibt gefährlich. Primal hat Attitude. Primal will dich ganz süß ficken. Und wenn du nicht willst, gibt es Gewalt. Gillespie ist wieder ganz Jesus&Mary Chain geschultes Britgezwitscher im poppenden Bikersud. Kraftwerk, Byrds, Stooges knattern gleichzeitig aus dem Reißwolf. Und wenn er mit Kate Moss die über-androgynen Körperöffnungen kreuzt, um Nancy & Lees »Some Velvet Morning« kaputt zu nicken, dann schmeckt es so verwegen, so begnadet, so hinreißend, als ob »Sick City« und »Lucifer rising« im Rocksong wieder was zu sagen hätten statt als geistlose Ikonen durch Wortsud zu delirieren. Dampft wie Hölle. Stehende Nackenhaare in Gold, mein Zuckerkindchen!