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Bon Iver

»Volumes: One (Selections from Music Concerts 2019–2023 Bon Iver 6 Piece Band)«

Jagjaguwar

Wie seit dem letzten Album-Release von Bon Iver bekannt ist, wird es von der Band bis auf Weiteres wohl keine neue eigenständige Musik mehr geben. Das heißt aber nicht, dass es nicht noch genug gute Musik aus der Vergangenheit gibt. Bon Iver gräbt in den eigenen Archiven und startet eine Serie an Releases von Live-Aufnahmen, inspiriert von Bob Dylans »Bootleg Series« und den »Neil Young Archives«. Wer schon einmal das Privileg hatte, Bon Iver live zu sehen, weiß, dass der Sound und die Energie eine andere sind als auf den Studio-Aufnahmen. Auf der Platte klingt die Band um Justin Vernon introvertiert, perfektionistisch, ruhig und leise. Live hingegen wird man nicht selten von dicken, lauten Synthesizern umgeblasen, schallenden Samplern, meistens wird mit zwei Schlagzeugen gespielt und das Signature-Instrument, der Messina, ist auch live eine absolute Wucht, genauso wie der Gitarren-Sound von Vernon. Live-Alben sind grundsätzlich eine schwierige Angelegenheit. Den besonderen Klang eines Live-Settings aufzunehmen, ohne dabei zu viel vom Publikum oder von der Umgebung, vom Raumklang, einzufangen, gelingt selten. Aber auf diesem Live-Album ist genau das wirklich gut gelungen: ein klarer Sound, der sich live anhört und anfühlt, keine störenden Publikumsgeräusche. Die hohe Qualität des Sounds ist nicht zuletzt auf den langjährigen Live-Engineer Xandy Whitesel zurückzuführen. Die Songs sind auch in einer fortlaufenden Art und Weise gemischt, als würden sie hintereinander gespielt werden. Im Widerspruch zum Titel des Albums stammen die Aufnahmen aus der Zeit zwischen 2017 und 2023 und von den Alben »22, A Million« und »i,i«, inklusive einer besonders schönen Messina-Variante des vielgecoverten Country-Klassikers »A Satisfied Mind«. Besonders spannend ist auch die Version von »We«, die Bizhiki featurt, eine Native-American-Band aus Wisconsin. Hervorzuheben sind außerdem die Versionen von »Hey,Ma« und »33 ›God‹«, die live nochmal einige Facetten hinzubekommen und das Potenzial haben, die Lieblingsversionen von Fans dieser Songs zu werden. Und endlich gibt es auch einen offiziellen Release zu »Heavenly Father«, ein Song, der auf keinem Album enthalten ist, aber seit Jahren live gespielt wird und bis dato nur auf YouTube zu finden war. Bon Iver veröffentlicht mit dem ersten Teil dieser Live-Serie, »Volumes: One«, einen notwendigen Beitrag zur Konservierung der Großartigkeit dieser Band. Die schwierige Aufgabe des Live-Albums wird hervorragend gemeistert und trägt einen wichtigen Teil zur Darstellung dieses zweiten Gesichts der Band bei. Man darf auf die nächsten Teile dieser Serie gespannt sein.

Home / Rezensionen

Text
Adrian Malliga

Veröffentlichung
07.04.2026

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