a2828481147_1x1_700
Guttersnipe

»Extinction Burst«

Night People

Das britische Duo Guttersnipe legt nach langen acht Jahren ein zweites Album vor. Feststellen lässt sich gleich zu Beginn, dass sie es nicht verlernt haben, ihrem Publikum infernalischen Lärm vor die Stirn zu knallen. Mit Schlagzeug, Gitarre und Effektgeräten zielen sie aber nicht auf alles, was sich bewegt, sondern legen ihre musikalischen Angriffe eher darauf an, vernagelte Schädeldecken und verhärtete gesellschaftliche Konventionen zu knacken, denn thematisch laden sie ihren erbarmungslosen Free-Jazz-Noise-Skronk mit Kritik an jeder Art von lebensfeindlicher Unbeweglichkeit und Verknöcherung auf und setzen jede ihrer harschen Attacken als Befreiungsschlag. Sie bäumen sich auf, um unter der Last gesellschaftlicher Konventionen nicht erdrückt zu werden und reglos liegenbleiben zu müssen. Das ist anstrengend, aber nicht zu ändern. »Crisis Energy« nennen sie diese Anstrengung an der Dauerbelastungsgrenze, in Anlehnung an den englischen Autor China Miéville, von dessen Literatur ich allerdings keinen Schimmer habe, darum belasse ich es an dieser Stelle beim bloßen Verweis. Man muss den theoretischen Überbau von »Extinction Burst« auch nicht unbedingt im Detail in den Blick nehmen, um mitzubekommen, dass bei Guttersnipe die kratzbürstige Raserei mit emanzipatorischen Absichten einhergeht – der Funke positiver Energie springt schnell über und das ungebändigte Gezappel von Uroceras Gigas und Tipula Confusa setzt sich auch bei Live-Auftritten des Duos umgehend im Publikum fort. Konvulsivisch zuckende Leiber, wohin das Auge schaut. Im Vergleich zum Debütalbum »My Mother The Vent«, das 2018 erschien, gelingt es Guttersnipe auf ihrem Nachfolgealbum auch deutlich überzeugender, diese Live-Energie auf Tonträger zu bannen. So oder so sollte man sich aber ggf. mit Gehörschutz wappnen, um nicht unvorbereitet mit der extremen Vitalität des Duos konfrontiert zu werden. Dieser Hinweis als Warnung an alle Noviz*innen einer solch explosiven Ästhetik. Wer ohnehin mit Merzbow, Wolf Eyes oder anderen kathartischen orientierten Krachkapellen vertraut ist: Feuer frei!

Home / Rezensionen

Text
Holger Adam

Veröffentlichung
11.05.2026

Schlagwörter

favicon

Unterstütze uns mit deiner Spende

skug ist ein unabhängiges Non-Profit-Magazin. Unterstütze unsere journalistische Arbeit mit einer Spende an den Empfänger: Verein zur Förderung von Subkultur, Verwendungszweck: skug Spende, IBAN: AT80 1100 0034 8351 7300, BIC: BKAUATWW, Bank Austria. Vielen Dank!

Nach oben scrollen