Auch Corrosion of Conformity sind mit neuem Album zurück. Hat es bei ihren Kollegen von Neurosis beinahe zehn Jahre gedauert, so sind bei C.O.C. »erst« acht Jahre seit der letzten Veröffentlichung »No Cross No Crown« vergangen. Der größte Schicksalsschlag seither war der Tod von Drummer Reed Mullen, der Anfang 2020 im Alter von 53 Jahren starb. Nach durchwegs erfolgreichen Touren stieg Bassist und Teilzeitsänger Mike Dean 2024 aus. Somit ist von den Gründungsmitgliedern aus Raleigh, North Carolina, nur noch Gitarrist Woody Weatherman übrig. Der schwingt abseits der Bühne vermutlich nach wie vor die (unmetaphorische) Axt als Biobauer. Mit Vollzeitbeschäftigung an Vocals und Gitarre ist, wie beim letzten Album, Pepper Keenan zu hören. Und das macht bei C.O.C. den wesentlichen stilistischen Unterschied aus. Sobald Keenan an Bord ist, spielen sie ihre Sabbath-fundierte Mischung aus Stoner Rock mit Southern Groove. Ein fetter Sound, von dem sich auch Metallica Mitte der 1990er mächtig angezogen fühlten. Aber davor gab es noch eine andere Seite der Band. C.O.C. starteten in den 1980ern ja mit Hardcore Punk. Ihr zweites Album »Animosity« (1985) ist insbesondere im Sinne des damaligen Crossover ein Klassiker, ein eigenwilliger Brückenschlag von Black Flag zu Thrash Metal. Den Opener »Loss for Words« coverte Mike Patton gerne mit Mr. Bungle. Explizit politische Texte, wie z. B. auf »Intervention«, lesen sich wieder katastrophal aktuell: »American dollars and weapons gleam, support another corrupt regime / Human rights long out of style, another killing, another farce-trial«. Etwas Vergleichbares suchen Angehörige einer Minderheit, die, so wie ich, diese Seite von C.O.C. klar bevorzugen, auf dem neuen Album eher vergeblich. Dabei hatten sie eine Zeit lang auch einen fruchtbaren Weg gefunden, die unterschiedlichen Stile auf dem selbstbetitelten Album (2012) sowie auf »IX« (2014) zu vereinen. Allerdings ohne Pepper Keenan. Dass C.O.C. nach seiner Rückkehr auch live ihre Hardcore-lastigen Songs gänzlich außer Acht ließen, habe ich nie goutiert. Für Kontinuität bzw. »Corporate Corrosion Identity« sorgt nach wie vor das Artwork. So wie Snaggletooth für Motörhead steht, so ikonisch ist für C.O.C. seit dem Cover des Debütalbums der spiky Trefoil-Skull geworden. Musikalisch ist Punk auf »Good God / Baad Man« jedenfalls nur in Spurenelementen vorhanden. Stattdessen wird gerifft und gerockt, dass es für die Pepper-Fraktion eine über einstündige Freude sein muss. Auch Drummer Stanton Moore, der auf dem Album »In The Arms of God« (2005) schon mal mit C.O.C. zu hören war, macht ordentlich Dampf hinter den Kesseln. Und siehe da: Auf dem wohl für ihn betitelten Track »Gimme Some Moore« schaut »Uncle« Al Jourgensen von Ministry vorbei. Manchmal bewegt sich das Songwriting etwas zu breitbeinig in Richtung Monster Magnet. Und am Stück gehört, ist mir das Doppelalbum streckenweise einfach zu langatmig. Das instrumentale »Bedouin’s Hand« und das treibende »Asleep on the Killing Floor« erfüllen jedoch meinen Wunsch nach Abwechslung. Und ein wenig politisch wird’s in Text und Video dann auch noch: »Build it up and burn it down, now the king has lost his crown … death to the king!«
Corrosion of Conformity
»Good God / Baad Man«
Nuclear Blast
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