Early James

»Strange Time To Be Alive«

Easy Eye Sound

Wenn man die Musik von Fredrick James Mullis Jr. hört, denkt man, sie sei mindestens 60 Jahre alt, wenn nicht sogar älter. Sie ist aber ganz neu, vor allem die vom aktuellen Album »Strange Time To Be Alive«, das auf dem Label Easy Eye Sound von Black-Keys-Gitarrist Dan Auerbach erschienen ist. Durch den Labelinhaber, der das Album auch produzierte, haben wir auch schon den ersten Hinweis, in welche Richtung die Musik geht: Blues, Americana, Western, Country und Amercian Roots. Early James überzeugt vorrangig mit seiner prägnanten Stimme, die sowohl die ruhigen Balladen wie »Pigsty« als auch die lauten Momente des Albums wie zum Beispiel im Song »Harder To Blame« mit viel Charakter und Südstaatenakzent trägt. Bei der Instrumentation finden sich keine Überraschungen, die genretypische Slideguitar spielt neben Fingerpicking die wichtigste Rolle, besonders virtuos ist das Gitarrenspiel am Song »Dance in the Fire«. Auffällig ist das manchmal übersteuerte Schlagzeug, das leider eher unangenehm fürs Ohr ist. Thematisch beschäftigt sich das Album mit klassischen Blues-Themen wie der Einsamkeit und alltäglichen Melancholie, auch einige religiöse Metaphern finden sich auf der LP, wie zum Beispiel auf dem besten Song des Albums »If Heaven is a Hotel«, in dem ganz unbeschwert die Hölle zum dreckigen Motel mit Raucherzimmern wird und der Himmel ein Hotel ohne Checkout-Zeit. Auch der namengebende Song des Releases »What A Strange Time To Be Alive« ist in dieser aktuellen Gegenwart Balsam für die Blues-Seele. Der Song »Real Low Down Lonesome« ist wegen des großartigen Features von Sierra Ferrell ebenfalls besonders zu empfehlen. Early James schafft mit »Strange Time To Be Alive« ein sehr gutes zweites Album, das vor allem mit Authentizität, Out-of-time-Vibe und seinen unkonventionellen Vocal-Performances punkten kann.