Herbert

Bodily Functions

!K7

Matthew Herbert agiert momentan als omnipräsenter Tausendsassa. Herbert-Remixe schießen wie Pilze aus dem Boden, jeder scheint am gegenwärtigen Hype mitnaschen zu wollen. Dabei wird oft außer acht gelassen, dass dieser Mann eigentlich an einer Re-Politisierung des Ästhetischen arbeitet. Wenn Herbert auf der Bühne mit dem Zertrümmern eines CD-Case seinen Sampler füttert ist das zwar Show aber auch Teil seines Konzepts, nur mit selbst produzierten Samples zu arbeiten und durch den Einbau von Fehlern, Maschinerien an ihrem reibungslaufen Funktionieren zu hindern. Nochmals sei auf Herberts ausgezeichneter Homepage www.matthewherbert.com verwiesen, in denen seine Konzepte und seine politische Haltung ausführlichst behandelt werden. Die aktuelle CD und ihre sehr »privaten« Themen beschreibt den von Macht durchkreuzten menschlichen Körper und die durch diese Kreuzung entstehenden Momente von Melancholie und Schönheit. Und was für eine Schönheit! Noch nie habe ich eine interessantere Mischung aus Jazz, Noise, House und Songwriting gehört. Neben wechselnden Gastmusikern sind Phil Parnell am Piano und Rhodes und Dani Siciliano, die in ähnlichen Arrangements schon auf der letzten Doctor-Rockit-Platte mit ihrer graziosen Stimme brilliert hat, der Fixpunkt dieser Produktion. Herbert selbst spielt neben Sampler, der öfters mit Körpergeräuschen gefüttert wurde, Piano, Rhodes, Violine, Gitarre und Bass. »Bodily Functions« ist also zum Großteil mit klassischem Instrumentarium im übrigen über einen sehr langen Zeitraum von mehreren Jahren eingespielt worden. Das Ergebnis ist in der Kombination durch die Verarbeitung und teilweise Reprozessualisierung der Sounds allerdings so erstaunlich und innovativ, dass man hier auf jeden Fall von einer der richtungsweisenden Platten dieses Jahres sprechen kann. Pflichtscheibe.