Wes Swing

»And The Heart«

Greywood Label Services

Kreativer Burnout und Pech. Eine Handgelenkverletzung führte dazu, dass Wes Swing seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte. Der begnadete Cellist, der in Virginia für NPR Shows tätig war und als Musiker gut im Leben stand, versank in eine tiefe Depression. Dank einer Therapie fand er wieder heraus aus dem Tal und »And The Heart« offenbart, dass es ein langer, beschwerlicher Weg war. Doch führte er zum Licht am Ende des Tunnels. Dieses Album widerspiegelt auf einzigartige Weise, wie sich die Nebel lichten und doch ein Schatten bleibt. Besonders schön bettet Wes Swing Streicherarrangements in seine Popsongs, traurigschön in Liaison mit Synthies wie im grandios weinenden Opener »Missing Winter«. Um den Titelsong herum gibt es einen Schwenk mit Anklängen an Folk, wo Gitarren Akzente setzen. Mir schwebt geistig Tim Buckley vor. Wes Swing verfügt wie Buckley über eine außergewöhnliche Stimme, sein Alt hebt samten an und kann einen in lichte Höhen tragen. »Not Easy« ist so ein Song, der trotz immanenter Hoffnung mit kantiger Orgel in dunkelgründiger Schönheit stirbt. Gänsehaut! Zum Ûberfluss kippt das würdige Outro »Next Life« doch noch in einen Popsong, wo Keyboards Frohsinn verbreiten dürfen. Auch wenn Wes Swing seine Songs zu singen und arrangieren weiß und mit Cello und Stimme in Melancholie schwelgen kann: mit seinen Freunden aus Charlottesville ist dieses Album noch besser geworden. Dank Produzent Paul Curreri und Stimm-Supporter Devon Sproule verströmt »And The Heart« gehörig Spiritualität. Es ist eben kein typisches Singer/Songwriter-Album. Es gibt Kompositionen mit Preludes und Ûbergängen, es beinhaltet Loops und Arrangements, die ineinanderfließen. Irgendwie wähnt sich der Hörer in einer Twilight Zone zwischen Pop, Symphonischem und einer eigentümlichen Folk-Grundierung. Ein Glücksfall, der glücklich macht!

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