Alt-J

»The Dream«

Canvasback/Infectious

Die britische Band Alt-J meldet sich nach vier Jahren Pause mit ihrem neuen Album »The Dream« zurück, das bestätigt, was die Single-Releases erahnen ließen: Die wichtigste Neuerung sind Lo-Fi-Elemente. Durch das ganze Album begleiten die Hörenden Tape-Recordings und -Samples, Tape Hiss, Drum Machines, ein Vibrato- und Tremolo-Pedal auf der Gitarre, dabei bleibt aber das generelle Motto »weniger ist mehr«. Besonders gut gelingt das auf dem Track »Get Better«, der einen Einblick in die Erinnerungen des Protagonisten gewährt, vom gemeinsamen Besuch einer Galerie mit seiner Partnerin, dem Aufenthalt auf einer Intensivstation, bis zu einem fatalen Autounfall vor dem gemeinsamen Haus. Solche durchaus bittersweeten und emotionalen Momente finden sich auch auf anderen Tracks des Albums, z. B. bei »Happier When You’re Gone« oder »Powders«. Für Fans des klassischen, an einen Kanon erinnernden Alt-J-Gesangstils und der gewohnt genialen Drum- und Percussion-Section finden sich auch genügend gelungene Momente, etwa bei »U&ME« oder »Hard Drive Gold«, die wirklich Indie Pop erster Klasse sind. Auch die mittlerweile wohl schon für einen Alt-J-Release verpflichtenden Chorgesänge kehren zurück, und zwar im gelungenen Opener »Bane«, welcher die Mood des Albums wirklich gut einfängt, und dem Interlude-Track »Delta«. Das einzige Stück, das sich auf dem Release unstimmig anfühlt, ist »Chicago«, das eher wie ein mittelmäßiger Clubremix eines Alt-J Songs wirkt und auch nicht in die Lo-Fi-Kerbe schlägt. Mit »The Dream« schaffen Alt-J es, ein Album zu veröffentlichen, das hält, was der Titel verspricht: Einen verträumten Lo-Fi-Longplayer am Puls der Zeit, der sich zu sehr großen Teilen wie ein innerpsychischer, spätsommerlicher Sonnenuntergang anfühlt. Alt-J bleiben ihrem Stil aber zugleich treu und setzen auf gewohnte Stilmittel, die irgendwie auch zehn Jahre nach ihrem Debütalbum »An Awesome Wave« noch immer interessant sind.