Albanek

»Quarantine Files«

Schlapfi Music

Meidling Nights Studios im ersten Lockdown. Dieser war im Vergleich zu den jetzigen tatsächlich spooky. Und Albanek schickt mitten im dritten (natürlich ist nicht der Bezirk gemeint) Sounds, die er während des Shutdowns im März/April vorigen Jahres produzierte. »Days of Nights« ist mein Highlight aus der »A-fter« benamsten A-Seite, weil es die milde Stimmung trifft, die einen auf leeren Straßen aufatmen ließ. Ein Ambient-Track erster Güteklasse ist das und auch die weiteren drei Tracks von der A-Seite der Vinyl-EP »Quarantine Files« wollen nicht so recht loslegen, sondern lassen in Slow Motion die Sonne aufgehen, besonders das Outro »Never Ending Sunday«. Ja, wenn ein Sonntag dermaßen lazy und irgendwie gloomy gar so langsam fortschreitet, dass an ein Ende nicht zu denken ist, dann hat mich Albanek gepackt. Schwermut-Synths dröger und doch ausstrahlender Natur, Herz, was willst du mehr, um ewig zu schlagen?
skug und der Autor dieser Zeilen sind auch aus Meidling, also herrscht Freude, dass Albanek gleich auch eine Maske mit seinem Schriftzug schickte. Komm, schöner, schwarzer Lockvogel! Auch wenn mittlerweile FFP2 Standard sein muss, eine nette Geste des Klangkünstlers, der die Vinylrückseite »B-fore the virus« etwas heftiger angeht und als Dancefloor Beat-Scientist alle möglichen Spielarten draufhat. Von HipHop über Techno bis Electro. Mit eingestreuten Beobachtungen im Corona-Zeitalter, die Albanek in den Songtiteln verarbeitet. »Premium«, mit dem »Freedom« rappenden Rue Commines, spiegelt die Headlines wider, als der größte Porno-Provider Premium-Accounts in Italien kostenlos freigab. »Captain Tom Walking« würdigt den damals 99-jährigen British-Army-Veteranen Tom Moore, der erfolgreich Charity für Covid-19-Betroffene betrieb, während »I Am Not A Doctor« an die dummdreisten Anti-Virus-Ratschläge von Donald Trump erinnert. Doch klärt der mit eingängigen Synths auffahrende HipHop-Electro-Track auch den etwaigen Verwandtschaftsgrad zu Dr. Alban. Albanek ist also kein Doktor, hat aber als Jugendlicher die Musik des schwedischen Europop-Produzenten aufgesaugt. Was Albaneks eloquentes Handling für gute Melodien erklären könnte, denn manche »Quarantine Files« setzen sich in den Gehörgängen fest. Gut so, und auch gut zu wissen, dass nach »Shade of Blue« aus dem Jahr 2003 die »Files« erst der zweite Tonträger aus dem Hause Albanek sind. Wegen Corona verlor er seinen Job und wechselte vom hobbymäßigen Musikmachen wieder auf eine professionelle Arbeitsweise. Ein gelungener Schachzug.