Botanica

»What Do You Believe In«

AL!VE

Da soll noch einmal jemand sagen, Rock’n’Roll sei Unkultur. Hatte sich in den 1970ern noch das
Alan Parsons Project der Volksbildung beflei&szligigt, indem es Konzeptalben über Edgar Allen Poe
und Isaac Asimov veröffentlichte, so waren es in den 1980er Jahren die britischen Metaller von
Iron Maiden, die neben der Stromgitarre manchmal auch zu den Gedichten von Samuel Taylor
Coleridge griffen und dessen »Rime of the Ancient Mariner« für das literarischer Inklination eher
unverdächtige Metal-Publikum im gleichnamigen Song zusammenfassten. Mit der neuen Platte
von Botanica rund um Sänger Paul Wallfisch wird es der russische Literat Michail Bulgakow
zu unerwarteter postumer Bekanntheit in der Musikszene bringen. Die zwölf Songs auf »What
Do You Believe In« handeln nämlich von seinem Roman »Der Meister und Margarita«, dessen
Bühnenadaption Botanica derzeit im Schauspiel Dortmund musikalisch hinterlegen. Ob das
funktioniert braucht uns an dieser Stelle nicht weiter zu beschäftigen, vielmehr soll hier die Musik
des nunmehr achten Albums der New Yorker Rocker auf den Prüfstand gestellt werden. Und die
ist vor allem: dunkel und morbid. Bei »Judgement« schaut Leonard Cohen auf mehr als einen
Kaffee vorbei. »Kingdom Of Doubt« trifft die Mitte zwischen Jesus Lizard und den Screaming
Trees. Und »Ball In Hell« verweist angenehm auf Wallfischs Vergangenheit bei Firewater. Dort
wurde er offenbar im Blues (und Whiskey!) gebadet und in den Tüchern des Gypsypunk zum
Trocknen eingewickelt. Das ist schon auf Platte gut, doch grandios sind Botanica wohl erst live im
verrauchten Kellerlokal. Insofern doch lieber runter von der Theaterbühne.