Unmögliche Perspektiven

Fadi Dorningers DVD über die rätselhaften Wüstenzeichnungen der Nasca

Im zweiten Teil seiner Trilogie über archaische Kulturen beschäftigt sich Fadi Dorninger, umtriebiger Linzer Klangkünstler und Elektronik-Mastermind bei Wipeout, mit den rund zweitausend Jahre alten Wüstenzeichnungen der peruanischen Hochkultur der Nasca. »Ûber die Perspektive« erweitert den ersten Teil (»Hisatsinom. Ûber das Verschwinden«, Base Rec. 2001) um den geometrischen Aspekt. Nach größeren multimedialen Aufführungen etwa im Linzer OK-Centrum und dem Casa Encendida in Madrid ist nun »Ûber die Perspektive« auch für den heimischen DVD-Player zu haben.

Das Zentrum der Nasca-Kultur befand sich gut vierhundert Kilometer südlich von Lima zwischen Pazifik und Küstenwüste. Die von ihren produzierten Scharrbilder konnten erst in den 1920er Jahren erfasst werden, da die mehr als fünfzig Geoglyphen und tausend Linien mit einer Länge von bis zu zwanzig Kilometern erst vom Flugzeug als zusammenhängende Figuren auszumachen waren. Verschiedenste Theorien ranken sich um die Zeichnungen, am wahrscheinlichsten ist, dass sie kultische Funktionen hatten. 1994 wurde das Gebiet zum UNESCO-Welterbe erklärt.
Das aus Peru mitgebrachte Audio- und Videomaterial wurde zusammen mit Langzeitbekannten Didi Bruckmayr/ Siegmar Aigner (Fuckhead) und Mex Wolfsteiner (Trio Exklusiv) zu einer breit angelegten »Medienoper« verarbeitet. Bruckmayr destilliert aus den Nasca-Linien 3D-Visuals, woraus Bilder entstehen, die archaische und algorithmische Räume ineinander crashen lassen und sich mit den »unmöglichen« Perspektiven eines M.C. Escher abgleichen. Die Musik ist wieder, ähnlich wie Teil 1, als eine Mischung zwischen melancholisch anmutenden Phrasen und heftigen Eruptionen à la Fuckhead gehalten. Die Bilder und Sounds von »Ûber die Perspektive« allein genommen, könnte man beinahe annehmen, im schwerelosen Raum auf der anderen Seite des raumzeitlichen Wurmlochs zu treiben. Was ja eine veritable (imaginäre) Andockstation bieten würde, denn eine der bekanntesten populärwissenschaftlichen Theorien über die Nasca-Linien besagt, dass sie eine Art visuelles Codesystem seien, hergestellt von Außerirdischen, um bei ihrer Rückkehr wieder an diesen Ort zurück zu finden. »Ûber die Perspektive« ist schließlich ein äußerst kompaktes Werk, das die Soundkoordinaten nach »Ûber das Verschwinden« ins Visuelle kippen und Land- mit Soundscapes gegeneinander oszillieren lässt. Und das, wie viele Arbeiten Dorningers, durchsetzt ist mit sozialem Engagement und ordentlich Strom für die Diskurs-Birne.

Fadi Dorninger: »Nasca. Ûber die Perspektive«. Feat. Didi Bruckmayr, Siegmar Aigner, Mex Wolfsteiner. DVD, Base Rec., www.base.at

Weiteres Infomaterial:
http://de.wikipedia.org/wiki/Nazca-Kultur
www.htw-dresden.de/nazca

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