Bereits zum 26. Mal geht in der beschaulichen Gemeinde St. Johann in Tirol vom 5. bis 8. März 2026 das artact Festival für Jazz und improvisierte Musik über die Bühne. Es ist das kleinste, vielleicht aber auch das feinste Festival dieses Reigens in heimischen Gefilden und bildet den Auftakt für die noch kommenden größeren Kaliber in diesem Bereich. Verantwortlich dafür ist maßgeblich der langjährige und bestens vernetzte Kurator und künstlerische Leiter des Festivals, Hans Oberlechner. Dieser pflegt stets zu betonen, dass das artacts definitiv kein reines Jazzfestival sei. »Wir sehen uns als Festival für freie Musik, bei dem beim Eröffnungskonzert auch schon mal ein Streicherduo Platz hat«, sagt er im Gespräch. Zudem herrsche in St. Johann in Tirol eine besondere »Intimität und Nahbeziehung zwischen Musikerinnen und Musikern und dem Publikum«. Das meint Oberlechner nicht nur in Bezug auf eine eher flache Hierarchie zwischen diesen beiden Ebenen und hinsichtlich des Ins-Gespräch-kommen-Könnens, sondern auch wortwörtlich. Denn Jahr für Jahr stellt das arctacts auch sogenannte Soundcabs, also kleine Hütten, mitten im Zentrum auf. Dort bieten die Musiker*innen kleine Solo-Sets im wahrlich intimen Rahmen: Maximal sechs Personen können einem solchen Konzert kostenlos beiwohnen.

Jenseits von Sound
Überhaupt bemüht sich das artacts, bei allem familiären Rahmen in illustrer Runde von Auskenner*innen, über die Mainstage in der Alten Gerberei hinaus auszustrahlen. Neben den Soundcabs, in die sich auch schon mal unbedarfte Normalhörer*innen verirren, eröffnet das Festival am Donnerstag etwa in der Galerie der Marktgemeinde mit einer Ausstellung, bei der der Fotokünstler Dawid Laskowski, der dem Festival seit Jahren höchst verbunden ist, die Zügel in der Hand hat. Es folgen schließlich je vier Konzerte in der Alten Gerberei, aber eben nicht nur. Besonderer Beliebtheit erfreut sich das traditionelle Konzert in der Pfarrkirche St. Johann, aus dem schon mancher mit Tränen der Rührung gekommen sei, wie Oberlechner berichtet. Heuer ist dafür die Komponistin und Interpretin Zosha Warpeha zuständig. Zudem auf dem Programm: Lauschen und Plauschen. Das Format richtet sich an Eltern und ihren Nachwuchs und findet im Jugendzentrum statt. In dreißig Minuten bringt der Perkussionist Gerhard Laber die weite Welt der Perkussionsinstrumente Kleinen und Großen näher.

Abseits und Diesseits
Außerdem noch abseits des Mainstage-Programms: Das Konzert des artacts Kids Orchester, das am Sonntag wieder in der Galerie der Marktgemeinde stattfindet und vom Saxofonisten und Komponisten Jakob Gnigler geleitet wird, der das Konzert zuvor in einem dreitätigen Workshop mit Kindern erarbeitet. Last but not least jenseits der Mainstage: Ein Solokonzert von Camilla Nebbia in der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Weitau. Von diesem Abseits bewegt sich das Festivalpublikum aber nur allzu gerne zum Diesseits, zum eigentlichen Safe-Space, in dem man sich wahrlich fallen lassen kann, da nicht zu befürchten ist, dass irgendwelche Limits in Bezug auf Experimentierfreude oder Konventionen in Bezug auf Tonalität herrschen: in die Alte Gerberei. Dort geigt am Freitag etwa das britische Ensemble Led Bib auf, am Samstag unter anderem Into The Wide oder am Sonntag zum Festivalabschluss das Quartett Earscratcher rund um die österreichische Pianistin Elisabeth Harnik.
Link: https://www.artacts.at/











