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Das dritte Studioalbum der deutschen Indie-Schlager-Anti-Helden rund um den mit Gabriel Baryllis? Augenpartie ausgestatteten, gerne schmachtenden Jörg Wolschina ist erschreckend blutarm. Die Energie ist auf Momentaufnahmen beschränkt, verfliegt rasch wieder. Refrains sind nicht immer gelungen, musikalisch wird es bald öde. In welche Richtung es mit dem Sound gehen soll wusste ich schon auf »Nebel auf dem Kontinent« (2010) nicht immer. Es klingt in mehreren Momenten wie der Versuch einer deutschen Antwort auf Pavement, wofür auch die hyper-kryptischen Texte Wolschinas sprechen. Kühler Eighties-Sound, wie er manchmal durchschimmert, würde der Band mehr liegen, als eine nach Feuerzeugen lechzende Gitarre, egal wie ironisch und selbstverarschend dieses Lechzen auch vonstatten gehen mag. Viele Referenzen werden bei der »Hamburger Schule«, vor allem beim Sound der Sterne genommen. Der Sänger erinnert schmachttechnisch an einen jungen Dirk von Lotzow.
Der trockene Humor von »Nebel auf dem Kontinent« ist zum Glück erhalten geblieben, ohne Grinsen schafft es auch der verbittertste und nach dem Ablassen von Aggressionen dürstendste Kritiker nicht durch »Ungeduld«. Die Kritikerin wohl auch nicht. Wieder sind die Texte cineastisch geprägt (»Gewitter über Dresden«). Das Album ist dennoch schwerfällig. Der elegante Rest wird es wohl nie über ein Nischenpublikum hinaus schaffen, wollen sie wohl auch gar nicht. Beziehungsweise sie sind wie Element of Crime eine Band, die durch Depressionen (ja, erwischt) helfen kann. Sind die Depressionen überstanden, der Blick wieder klar, kommt die Frage: »Wo ist der Belang?«

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