Miles Davis

The Complete Jack Johnson Sessions (5 CDs)

Columbia

In der Musik gibt es nur wenige Taufpaten, und einige von ihnen sind ihr ganzes Leben und ihre ganze Karriere lang auch Söhne geblieben. Vom Februar bis zum Juni 1970 veränderte Miles Davis in New York wieder einmal den Sound unserer Welt. Was dort im Studio passierte, damals noch mit dem Produzenten Teo Macero, hätten vermutlich nicht viele – wenn überhaupt – machen können. Miles hat den Jazz ganz einfach noch einmal erfunden, indem er dessen Essenz in neue Formen goss und einen neuen Sound kreierte, sodass er auf gewisse Weise zu mehr Jazz wurde. Wenn diese Sessions vor allem als elektrisch und rockig bekannt sind, so wird beim Hören dieser fünf CDs klar, dass die Musik mehr als nur einem Lifting unterzogen oder in neue Kleider gesteckt wurde – es war vielmehr die totale Transformation und ein Tribut an den Swing und die populäre Jazzgeschichte. Beteiligt waren unter anderem Mike Henderson am E-Bass, Keith Jarrett am E-Piano, Bennie Maupin an der Bassklarinette, Jack DeJohnette am Schlagzeug, und Hermeto Pascoal singt oder pfeift. Inzwischen ist auch die Geschichte der Sessiongitarristen endgültig überliefert. Ist John McLaughlin zweifellos der erste, so ist Sonny Sharrock der andere Gitarrist, und es ist das erste Mal seit 1971, dass er als Mitwirkender am Album »Tribute to Jack Johnson« genannt wird. Aber nicht nur, dass Sharrock nun als Musiker angeführt wird, es können sich auch viele Fans glücklich schätzen, die Sessions kompletten vorzufinden. Je mehr ich davon anspiele, umso klarer wird mir, wie frei und gleichzeitig stringent diese Musik war. Müssen wir genau diese Subjektivität und Kraft wieder hören? Bei dieser Box brauchen wir nicht lange herumzureden: ein Muss.