KANAKU Y EL TIGRE

The Beat Goes On

tigersmilkrecords.bandcamp.com

tiger_milk_records.jpgDer englische Musiker/DJ BRIAN MAY hat mit »Innerstand« (bbe/Hoanzl) ein modernes Dub/ Reggae-Album herausgebracht, das dem jamaikanischen Meister-Dub-Produzenten Osbourne Ruddock alias King Tubby gewidmet ist; ein Album, das wie aus einem Guss daherkommt und viele Post-Tubby-Stile von D’n’B bis Dubstep dezent einfließen lässt und obendrein auf den meisten Tracks außergewöhnliche Sänger wie Terrence Alfonso Bowry ins Spiel bringt. Ein wirklich außergewöhnliches Album mit einer sanften Ambient-House-Note, das Reggae in einem neuen Licht zeigt.

»The Journey Is the Destination« (bbe/Hoanzl) heißt der zweiter Longplayer des spanisch-amerikanischen Duos BEATSPOKE, für das auch Gilles Peterson wirbt. Kein Wunder, ist diese recht kräftige Melange aus Pop mit einem Touch HipHop und House doch auch sehr britisch: fett produzierte Ambient-Electronica mit der allpräsenten, etwas manierierten Alt-Mädchen-Stimme der Sängerin Sarah Gessler.

KANAKU Y EL TIGRE sind Newcomer aus Lima, Peru. So »jung« wie die Band ist, so frisch klingt ihr DebÛtalbum »Quema Quema Quema« (Strut/Hoanzl), das Latin-gefärbten Pop mit entspannter Studiotüftelei verbindet, was einen – z. B. mit Hawaii-Steelgitarre flüssig gemachten – Sound ergibt, der in seiner Relaxtheit viel brasilianisches Feeling vermittelt und auch gut zu David Byrnes Luaka-Bop-Label gepasst hätte. Die Band ist aber auch bei Tiger’s Milk gut aufgehoben.

Selbes Land, selbe Stadt – selbes Label: Tiger’s Milk: »Peru Boom – Bass, Bleeps & Bumps from Peru’s Electronic Underground« (Strut/Hoanzl). Diese Compilation peruanischer Soundsystems, die unter obigem Titel fürs Erste ganz gut charakterisiert sind, eröffnet mit einem nubisch/sudanesisch anmutenden, langsamen Track – ein guter Einstieg für dann auch etwas experimentellere elektronische Dancetracks, die sich nicht scheuen, Referenzen sowohl an die kontinentaleuropäische Elektroszene der Seventies als auch House oder Dubstep zu geben. Bemühte Verweise auf angolanischen Koduro oder brasilianischen Baile Funk halte ich für irreführend – denn diese Musik, die von Label und Protagonisten unter »Tropical Bass« subsumiert wird, ist weder hart noch schnell, weder Wut- noch Pimp-Music, sondern entspannte moderne Dance-Elektonik.