Wrong Body © Tine Spiluttini

Salon skug mit Wrong Body und »MALMOE« Release Party

Der Sommer der geistigen und akustischen Genüsse im Wiener Central Garden geht am 7. Juni in die nächste Runde. Die zelebrierte zerebrale Intensität feiner Klanggespinste wird kontrastiert durch die kardiale Extensität der »MALMOE«-Redaktion, die – genau jetzt – einiges zur aktuellen Politlage äußern wird.

Bekanntlich weinte der heiligen Augustinus die letzten zehn Tage vor seinem Tod ununterbrochen. Heute wissen wir was den großen afrikanischen Staatstheoretiker so bedrückt hat: Er sah Donald Trump und Sebastian Kurz voraus. Die Tränen waren somit wohlbegründet. Trump und Kurz lösen gerade Parlamentarismus und Rechtsstaat auf, indem sie mit plumpen Mitteln eine Medien-Demagogie einführen. Damit sind sie leider höchst erfolgreich. Der Amerikaner schert sich nicht mehr um Vorladungen des Repräsentantenhauses, was de facto das Ende der Gewaltenteilung ist. Heute zweifeln viele, ob er nach der möglichen verlorenen Wahl im Herbst 2020 überhaupt abtreten wird. Trump kann dies alles tun, weil es keinen noch so hirnverbrannten Spin gibt, den nicht irgendwer für ihn im Fernsehen verbreitet. Von diesem Abgrund ist Österreich nur mehr wenige Schritte entfernt. Sebastian Kurz hat es nicht einmal mehr nötig, ein Nationalratsmandat anzunehmen, weil ihm das Parlament am Popsch vorbeiweht, wenn es ihm keine Mehrheiten liefert. Aus seiner Sicht logisch: Was soll er dort, wenn ihm ja doch nur widersprochen wird. Die Öffentlichkeit wird hingegen mit der Story versorgt, Kurz würde selbstlos auf sein Gehalt verzichten. »No na net« – wenn er nicht zur Arbeit erscheint. Die Verlautbarungen aus dem Kurz-Lager sind längst below blöd und (fast) alle machen mit.

Ohne freie Medien geht es nicht
Was Kurz und Trump betreiben ist die systematische Missachtung staatlicher Institutionen. Sie glauben, das komplexe und schwierige Spiel der verschiedenen rechtsstaatlichen Instanzen umgehen zu dürfen, weil es viel wichtiger sei, die öffentliche Meinung zu kontrollieren. Kurz tingelt deswegen lieber über die Lande und verbreitet seine eigene Version der Wirklichkeit. Über die will er im September abstimmen lassen und wird danach behaupten, mit der gewonnen Wahl habe ihm das »Volk« Recht gegeben. Alle Skandale rund um seine Regierungskoalition werden dann bereits unter den Tisch gekehrt sein und weiter geht’s. Wem jetzt die Tränen kommen, braucht aber keine »Kirchenväter« zu lesen, denn die Lösung des Augustinus wäre die Einführung einer »normativen Ebene« gewesen, durch den Glauben an die liebe Gott*in. Jetzt müssen wir aber kurz lachen, Trump und Kurz und Gottesfurcht – köstlich. Nein, an etwas »Höheres« zu appellieren, ergibt bei Demagogen keinen Sinn. Es gibt schlichtweg keine andere Möglichkeit, als diesen Gefahrenträgern das Handwerk zu legen, indem sie abgewählt werden. Und dann hoffentlich auch gehen. Bei Kurz sind die Chancen (anders als bei Trump) gut und das Gespenst könnte im Herbst verscheucht werden, aber glaubt das jemand?

Instinktiv spürt jede*r, dass wir eine viel zu abgenudelte Medienöffentlichkeit haben. Fehler, die Kurz und Co. machen können, sind schlichtweg nur mehr mediale. Alles, was diese Demagogen tun, eichen sie an der medial präsentierten Außenwirkung. Eine differenzierte Analyse ist demgegenüber kaum mehr möglich, weil immer das nächste Sprüchlein sticht. Die Summe der Sprüche ist der Kandidat, der diese verkörpert. Der eine spielt dann den Schwiegersohn (Kurz) der andere den Schwerenöter (Trump). Der Rolleninhalt ist hierbei unerheblich, es geht nur um die Blendwirkung und die ist in beiden Fällen enorm. Die Wirkung von Kurz (insbesondere unter Senior*innen) lässt sich so fassen: Man glaubt dem Knaben kein Wort, aber irgendwie erscheint er vertrauenserweckend. Brennende Frage: Was kann dagegen getan werden? Es braucht eben unbedingt eine differenzierte Medienöffentlichkeit. Die Antwort in Österreich hat somit drei Buchstaben: »BAM«. Der Salon skug lädt deswegen mit Freuden die Kolleg*innen des »Bündnisses alternativer Medien« ein und nach dem Mosaik-Blog am 26. Mai taucht nun am 7. Juni die »MALMOE« auf. Die haben noch nicht verraten, was sie vom Leder lassen werden, es wird aber sicherlich eine kritische Aufarbeitung der Regierungskrise beinhalten. Ferner haben gewisse Spatzen von den Dächern gepfiffen, dass auch die »MALMOE« nun den Sprung ins digitale Webzeitalter wagen will und einen neuen Auftritt im Internet gebastelt hat. Auch auf diese Präsentation ist skug gespannt wie ein Flitzebogen und auf die »MALMOE«-DJ-Line freuen sich sogar die Nachbar*innen des Central Garden.

Tausendsassa Spiluttini diesmal als Wrong Body
Cut Surface ist vielleicht gerade das beste Label in Wien und hat Acts im Stall, die vor lauter Schönheit glänzen. Dino Spiluttini ist ein Klangmaler, dessen Musik Magie verströmt. Sein Album »To Be A Beast« aus dem Jahr 2017 ist weit ausstrahlend, mit scheinbar dem Shoegaze entlehnten Drones oder Pianominiaturen, die irgendwie Minimal Music und Ambient vereinen. 2019 verwandelt sich das wunderschöne Biest mit den »Benzo Edits« in den ziemlich abgrundtieferen Wrong Body. Es ist zwar Sommer im Central Garden, doch sogleich denkt mensch bei dieser wunderschön-dunkelgrauen Allerseelen-Musik von Spiluttini an die Nebelschwaden, die gar mal in diesem Mai anhoben, den November heraufzubeschwören. Wrong Body verfügt über eine schaurig-schöne Grabesstimme und die richtigen Songtitel: »Wake Up Cold« hat fein perlende Pianoläufe und Streicher, nicht von dieser Welt. »Always There« ertönt in einer »Goth Angel Version«, doch Wrong Bodys Sound ist nicht Gothic, egal ob wavig angehaucht, mit himmelwärts strebenden Streichern wie im Opener »The Comeup« oder mit jenseitiger Orgel wie im Outro »Just a Child«. Trotz irdischer Schwere absolut glückselig machende Musik. Auf in den Central Garden, diesmal nicht als Sonntagsmesse, sondern zum den Schwarzen Freitag zelebrierenden Salon skug am 7. Juni 2019 im Central Garden. Wir freuen uns auf euch!