Johnny Batard © Adnan Babahmetovic, Grafik: Kathi Arnecke

Salon skug mit Johnny Batard und den Lonesome Hot Dudes

Prächtige Musik und einen bemerkenswerten Talk zum Thema Diversität hat der nächste Salon am Sonntag, dem 25. Oktober 2020 im Fluc auf dem Programm. Leider müssen wir zunächst die immer schwierigere Situation durchkauen.

Okay, versuchen wir es zunächst mit Humor, soll ja helfen. Der Plan für das nächste Halloween-Fest: Maximal sechs Personen an einem Tisch (idealerweise aus dem selben Haushalt), die Party-Insassen dürfen den Platz nicht verlassen, sie müssen dauernd einen Mund-Nase-Schutz tragen (entweder unter oder über der Halloween-Maskierung, am besten beides), es werden ihnen keine Speisen und Getränke gereicht, Musik nur nach Absprache mit dem Ministerium und keine hektischen Bewegungen. Wird sicherlich ein Hit, die Party. Wichtig dabei ist, sich daran zu erinnern, wir tun das alles, um die Wintersaison und den Ski-Tourismus in Österreich zu retten, weil, wofür lebt der Mensch auch sonst?

Selbstverständlich muss etwas getan werden
Achtung, wie an dieser Stelle bereits mehrfach betont: skug und das Team vom Salon skug sind vorbehaltlos für die Einhaltung sinnvoller Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Wir tun bei unseren Veranstaltungen das uns Mögliche, um die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Und an dieser Stelle gabelt sich der Blick auf die Lage. Das Virus ist eine tödliche Gefahr, den Empfehlungen der medizinischen Expert*innen ist Folge zu leisten und das ist zugleich gelebte Solidarität. Womit diese Betrachtung erschöpft wäre. Eine ganz andere Dimension ist der politische Umgang mit den Folgen der Eindämmungsmaßnahmen. Hier dürfen wir zunächst einmal anmerken, dass sich der Eindruck verfestigt, dass Österreich von einer Gruppe säumiger Schüler*innen regiert wird. Der Lehrer Virus hat die Schularbeit für den Herbst bereits im Frühsommer angekündigt und getan wurde nicht viel. Es gab ein paar Reden vom »Licht am Ende des Tunnels« und dass man mehr testen will, die Fälle irgendwie »tracen« und isolieren etc. Aber nun, kurz nachdem es kalt wurde, zeigt sich, dass das alles nicht funktioniert. Die Maßnahmen sind somit im Jahr 2020 nicht viel anders als im Jahr 1371, als die Pest nach Messina kam: Quarantäne und Kontaktvermeidung. Für dieses Ergebnis gebührt Kurz, Kogler und Co. ein tiefempfundenes »Würg, kotz und vielen Dank auch, ihr Pfeifen.«

Wenn es denn nicht anders geht, als alles zusperren, dann sollte man dafür die politische Verantwortung übernehmen (Wir freuen uns bereits auf das nächste BAM!-Wahlspecial zur Nationalratswahl …) und die Folgen für die Bevölkerung mildern. Und bittschön jenen Teil der Bevölkerung, der tatsächlich unter der Misere leidet. Hier fehlt der BuReg Wille und Fähigkeit. Man hat halt andere Themen, wie den Kampf gegen die Frühpension. Ansonsten werden die wirtschaftlichen Folgen abgewälzt, weil es Lastenausgleich, höhere Steuern auf Corona-Gewinne und sonstige Umverteilung mit dieser neoliberalen Räuberbande nicht geben kann. Deswegen wird jetzt mit viel Nonchalance die gesamte Clubkultur abgewickelt. Wie an andere Stelle bereits letztgültig erörtert, gibt es keine wirtschaftliche Basis mehr für den Clubbetrieb ohne Getränkeverkauf. Gut, dann sollte man die Betreiber*innen entsprechend entschädigen und die Schließungen der Clubs verkünden. Aber doch nicht mit Türkis-Grün, da tut man lieber so, als verstünde man nicht und lässt den Markt alles regeln. Das wird er auch tun und nach der Corona-Krise gibt es dann keine kleinen Veranstalter*innen mehr. Der ÖVP wird’s wurscht sein, aber auf die Grünen hätte man ja mal in aller Naivität hoffen dürfen. Weil durch die Indolenz der Politik eine jede Musikveranstaltung zu einem politischen Fanal wird, machen wir mit den Salons weiter, so lange es irgendwie geht. Jetzt unter einen Stein kriechen und warten, bis das Gewitter vorbei ist, wäre politisch sehr unklug, denn dann werden sie sagen: »War ja eh nicht so wichtig«. Nicht mit uns, weil schließlich gilt: »Rock and Roll Is Here to Stay« und wir wollen es nicht zulassen, dass die Clubkultur einfach – aus türkiser Bosheit oder grüner Unfähigkeit – abgewickelt wird. Genug zu Corona.

Unser Salon am Vorabend des Nationalfeiertags
Mwita Mataro und Smaranda Krings werden uns für unser Panel besuchen. Die beiden sind von der Initiative »Question me & Answer«, die sich für mehr Diversität in der Wiener Kunst- und Kultur-Szene einsetzt. Mit dem Projekt »QM&A On Stage« sollen Musiker*innen mit Migrations- und Fluchterfahrung sichtbar gemacht werden. Initiativen wie diese sind bis zum Anschlag unterstützenswert. Auch wenn wir bei skug über keine wissenschaftlichen Erhebungen verfügen, dann reicht ein Blick durchs Publikum oder auf die jeweiligen Stages, um zu belegen, dass es für eine umfassende Diversität immer noch ein weiter Weg ist. Die Voraussetzungen sind einfach unfair und deshalb die Unterschiede krass. Es ist leider auch eine Frage des Geldes, also der wirtschaftlichen und sozialen Absicherung, ob ein Mensch den Mut haben kann, sich und die eigene Kunst auf eine Bühne zu hieven. Die Barrieren durch Sprache und bestehende Netzwerke kommen hinzu. Ist ja nicht bös gemeint, aber viele in der Szene kennen sich schlicht seit Schulzeiten und es ist schwer, in diese Zirkel vorzustoßen. Deswegen sollte jede Initiative, die die Kunst-Community weitet und bunter macht, stürmisch begrüßt werden und wir sind gespannt, welche Ideen Mataro und Krings im Gepäck haben.

Zur Musik. Der 25. Oktober ist in normalen Zeiten ein wichtiges Datum für die skug-Community, denn es ist bekanntlich patriotische Pflicht, am Vorabend des Nationalfeiertages so auf den Putz zu hauen, dass es sich bis zum Abend des 26. Oktober im Bett liegen lässt, um auch ganz sicher die Panzerparade am Ring zu verpassen. Zwischenfrage: Sind Panzer eigentlich virendicht? Wer unbedingt die Befreiung Österreichs feiern will, kann dies übrigens gerne am 8. Mai tun. Gegen den ganzen gesellschaftlichen Irrsinn helfen nur zwei Dinge, als da sind: psychedelische Musik und Punk. Und die haben wir am 25. Oktober ab 20:00 Uhr im Premiumpaket. Johnny Batard (hier im skug Interview) gießt einen geschmeidigen Gitarren Sound mit gut geölter Rhythmusgruppe zusammen, die an die Heroenzeiten der Sixties erinnert, als alles noch so neu und super war. Batard nimmt bekannte Formen und dreht daraus seinen ganz eigenen Joint. Die bunten Spiralen wirbeln vor den entspiegelten Brillen und aus irgendwelchen Gründen hebt die Blumenvase von der gelben, dackelbeinigen Kommode ab und hat nicht schon bereits Syd Barrett gesagt, dass … aber Moment, sind das überhaupt Blumen? Alles weitere dann am Sonntag. Und ja, selbst Pink Floyd war mal cool.

Mit den Lonesome Hot Dudes (hier in der skug Video-Premiere) kommt als Support so viel geballte Punkenergie auf die Bühne, wie die Städte Graz und Wien sie nur zusammen auf die Bühne bringen können. Das Ganze wird auch noch mit Bläsersatz geliefert, damit die Frisuren auch in der ersten Reihe perfekt sitzen. Die Band ist reif und frisch zugleich und hat eine ungewöhnliche musik-historische Tiefe im Programm. Beinahe ließe sich sagen, diese reicht zurück bis zu Eva und Ursprung (Sind Namensspiele mit Punknamen erlaubt?). Dies alles gipfelt bei der Band in einem unstillbaren Bildungshunger, der zum Auffressen von Büchern führt. Vorbildlich. Erstmals im Salon ist in der DJ-Line diesmal auch DJ Internet Kaputt dabei – auch das noch. Wir freuen uns auf euch!

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