Fluc Wanne, bestuhlt © Michael Natter, https://kantine.photography/

Jetzt könn’ ma gleich zusperren!

Auch bei skug sind wir ziemlich baff, was die neue Corona-Verordnung der Bundesregierung betrifft. Deswegen veröffentlichen wir den offenen Brief von Herbert Molin, der das wenig umsichtige und letztlich zerstörerische Agieren der Bundesregierung gut darlegt.

Herbert Molin ist Konzertveranstalter, der unter dem Label »liccht« – auch unter Corona-Bedingungen – ausgezeichnete Konzerte für die Wiener Subkultur organisiert. Er macht das alles nicht erst seit gestern. Molin ist ehemaliger Betreiber der Veranstaltungslokale rhiz, Blue Box und B72 und übrigens auch Träger des silbernen Verdienstzeichens der Stadt Wien. Seinem offenen Brief an Frau Kulturstadträtin Mag.a Veronica Kaup-Hasler, Herrn Vizekanzler und Bundesminister für Kunst und Kultur Werner Kogler, Frau Staatsekretärin für Kunst und Kultur Mag.a Andrea Mayer und Herrn Bürgermeister von Wien Dr. Michael Ludwig ist nichts hinzuzufügen. Ganz offensichtlich hat sich niemand bei der Ausarbeitung der neuen Verordnung die Mühe gemacht, auch nur eine Sekunde an die Subkultur zu denken.

Die langsame Vernichtung der Subkultur
Achtung, da ist ein Fehler passiert!

Ich habe den Eindruck, dass bei der angedachten Verordnung für Veranstaltungen ein grober Schnitzer passiert ist. Bei Veranstaltungen muss jetzt während der gesamten Veranstaltung eine Maske getragen werden (ok, soll sein). Und, und das ist ein großes Problem, es dürfen keine Getränke ausgeschenkt werden.

Das gilt für den gesamten Kulturbereich und auch für Sportveranstaltungen. Warum also ist es für die Subkultur so tödlich und für die anderen nur unangenehm?

Die großen und auch kleineren Theaterbühnen verpachten meist die Gastronomie. Ebenso Museen und auch viele Kinos. Das heißt, es ist zwar unangenehm für die PächterInnen und auch für das Publikum, stellt aber die Existenz der genannten Institutionen nicht in Frage.

Ganz anders ist es aber bei den kleinen Veranstaltungsräumen für Musik, also Rock, Electronic, Jazz, Avantgarde, Improv, Metal und ähnliches. Diese Venues leben mehr oder weniger ausschließlich von den Gastronomieumsätzen. Oft sind sie selbst VeranstalterInnen oder sie vermieten Ihre Lokale an Subveranstalter. Daran verdienen sie wenig bis nichts, oft tragen sie auch das Risiko und erleiden durch die Veranstaltungen sogar einen Verlust. Den Gewinn machen sie mit den Getränken, die sie ausschenken.

Wenn der oder die BesitzerIn der Venue aber keine Getränke mehr verkaufen darf, macht es für ihn/sie keinen Sinn mehr, Konzerte zu veranstalten, man kann ja nichts dabei verdienen bzw. hat vielleicht sogar einen Verlust.

Wenn er oder sie aber keine Veranstaltung macht, dann kann er oder sie sehr wohl Getränke ausschenken, die Gäste dürfen ohne Mund und Nasenschutz zu sechst am Tisch sitzen, und das an so vielen Tischen, wie halt mit einem Meter Abstand ins Lokal hineinpassen.

Wo aber ist der Unterschied, ob ich mir – mit Abstand, MNS, im Sitzen – ein Konzert anhöre oder ob ich mit meinen FreundInnen beim Wirten sitze und dort das eine oder andere Getränk trinke, ohne MNS natürlich.

Diesen Unterschied gibt es nicht, ich war, seitdem es wieder möglich ist, bei vielen Konzerten, habe einige selbst veranstaltet. Es herrscht große Disziplin, was die Verordnungen betrifft, und große Konzentration auf die Musik, nachdem man sich ja nicht mehr bewegen kann im Veranstaltungsraum während der Veranstaltung.

Also weit entfernt von wilden Partys und kolportierten Besäufnissen.

Durch diese Verordnung erreicht man nur Folgendes: Die Venues veranstalten nicht mehr, weil sie kein Geld verdienen können. Die VeranstalterInnen können nicht mehr veranstalten, weil es keine Venues mehr gibt. Die MusikerInnen können nicht mehr spielen, weil sie keiner mehr engagieren kann.

Und natürlich gibt es einige Förderungen und Auffangmechanismen für die KünsterInnen, aber ein/e MusikerIn möchte spielen!

Diese Verordnung darf so nicht in Kraft treten, Sie können sie vielleicht noch verhindern, bitte versuchen Sie es.

Mit freundlichen Grüßen,
Herbert Molin

Die nächste Veranstaltung von liccht findet am 28. Oktober im Fluc statt, mit Tumido, Mermaid & Seafruit live, und kurz davor, am 25. Oktober, der Salon skug mit Johnny Bartard und den Lonesome Hot Dudes live, ebenfalls im Fluc.