HipHop Joshy © Heiße Luft, Grafik: Kathi Arnecke

Salon skug auf Rädern: HipHop Joshy & JerMc, Bianco Becky, skug Talk & DJ-Line

Am 25. Juni, 17:00 Uhr im Yppenpark im 16. Wiener Gemeindebezirk ist es wieder soweit, der Salon tritt in die Pedale. Im Jahr 2022 hat sich der mobile Soundapparat visuell und inhaltlich erweitert. Dabei zeigt sich, was die Welt jetzt braucht: Sicherheit, Kunst und HipHop.

So ein bisschen spüren es gerade alle: Es war schon einmal more easy, auf der Welt zu sein. Einige politische Sprüchlein klingen heute sehr eigentümlich in den Ohren. Einfach mal probeweise laut vor sich hinsagen: »Energiesicherheit«. Seltsam, nicht? Der eingeschliffene Politsprech zerfällt langsam zu Staub und das hat Konsequenzen für den Alltag. Man kann ja im Sommer eine Flugreise buchen, wenn man Fernweh hat. Aber ob das Flugzeug wirklich abhebt? So richtig weiß das keine*r. Und wie dann der Winter erst wird? Werden wir im Salon skug zum Mitbringen von Holzscheiten aufrufen, um den Laden mit aufgesägten Ölfässern zu beheizen? Mal ganz abgesehen von Virusschutz. (Übrigens, Fun Fact: Neue Corona-Welle gerade im Anmarsch, wer hätte das gedacht?) Das sind so Fragen, die man sich halb lustig, halb beklommen stellen kann. Es ist klar, vieles wird sich ändern und ändern müssen. »Entbehrungen« ist das neue Modewort, das aus der deutschen Politik herüberschallt. Schaut man sich diese Entwicklung vom Beifahrersitz aus an oder sagt man beispielsweise lieber: Ich steig’ jetzt aus und setz’ mich aufs Rad. Und damit wären wir beim Thema.

skug-Talk zum Straßenraum

Wem gehört eigentlich die Straße? Diese Frage wird schnell ein Fight der Partikularinteressen. Die einen sagen, sie ist ein Parkplatz, durchaus ein Showroom für jenes Vehikel, das ich mir vom Munde abgespart habe und das alle sehen sollen. Die nicht zu unterschätzende emanzipatorische Bedeutung des Statussymbols Auto sollte niemals geringgeschätzt werden. Überhaupt, das Auto bedeutet viel. Andere sagen hingegen, ich hätte gerne einen Platz für meine Kids zum Spielen, aber zwischen den Autos? Wieder andere schwören auf Drahtesel, wegen der Silhouetten-verschönernden Wirkung trainierter Beinmuskulatur und wegen gewisser Umweltaspekte. Was aber alle, wirklich alle beim Gang auf die Straße wollen ist: »Sicherheit«.

Unser Talk im Yppenpark mit Bürger*innen und Verkehrsexpert*innen soll genau diesen Aspekt im Auge haben. Gemeinsam mit dem wunderbaren Zukunftsrat Verkehr, mit dem wir uns schon beim Salon skug im März 2022 zusammengesetzt haben, wollen wir diesen Sommer nach Wegen suchen, wie eine möglichst breite gesellschaftliche Diskussion über eine »nachhaltigere« Verkehrsgestaltung angestiftet werden kann. Sicherheit muss da ein Thema sein. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit hat uns hier bereits Einblicke in eine sichere Gestaltung des Straßenraums gewährt. Wie gefährlich die Straße sein kann, muss eigentlich niemandem in Erinnerung gerufen werden. Faszinierend ist hingegen, warum dies hingenommen wird. Die Gefahren sind bekannt und ebenso, was sich dagegen tun ließe. Die Politik wittert hingegen ein heißes Eisen und lässt dies mitunter lieber liegen. Das könnte etwas mit dem unergründlichen Wort »Freiheit« zu tun haben, denn Laissez-faire und Laxheit in der Verkehrsregelbefolgung werden durchaus als lustvoll erlebt. Kurzum, es gibt genug zu reden über gemeinsamen Straßenraum und Sicherheit.

Schutz-Plane als Artwork

Der Salon skug auf Rädern packt bekanntlich seine gesamte Infrastruktur auf zwei Lastenfahrräder mit eigens konstruierten Anhängern, um ohne Verbrennungsmotoren einen Veranstaltungsbetrieb auf die Straße zu hieven. Jede Abweichung von den eingeschliffenen (durch fossilen Verbrauch geprägten) Wegen ist durchaus mit Schwierigkeiten verbunden. Lustvoll erweitern wir den Work-in-Progress Salon skug auf Rädern und wussten sogleich, wo es sticht. Nämlich die Sonne aufs Hirn, während global erwärmter Hitzewellen, und zudem haben wir das dringende Bedürfnis, unser Equipment unterzustellen, wenn es plötzlich vom Himmel waschelt. Also mussten 40 m2 Plane her, die mit Stehern und Laternenpfählen verspannt werden, und an dieser Stelle hat der ungeheuer straßenschlaue Künstler Philipp Haller seinen Auftritt.

Der Salon skug und seine große Plane sind eine Intervention im öffentlichen Raum und sollen auch so aussehen. Deshalb wurde die große Leinwand für ein Bild genutzt. Philipp Haller kennt sich gut aus mit dem Leben auf der Straße. Er arbeitet seit vielen Jahren ehrenamtlich und beruflich in der Obdachlosenhilfe. Mittels eines Studiums der Geschichte hat er seine bildlich vermittelten Überlegungen profund gemacht. Er stellte sich im Auftrag von skug und dem Zukunftsrat Verkehr die Frage, weshalb die Straße und der öffentliche Raum ein Ort wurden, der die Sicherheit des Einzelnen und die Zukunft aller Menschen der Mobilität einiger Menschen opfert. Die Nutzung der Straße steht niemals allen Menschen gleichermaßen offen.

Im Zentrum des Riesen-Diptychons befindet sich eine mittelalterliche Darstellung der Stadt, die sich nach Außen mit Mauern abgrenzt gegen alles, was Bürger*innen und Gütern gefährlich werden könnte. Rund um die befestigte Stadt hat Philipp Haller Zinken aufgetragen, die geheimen Zeichen der Vagabund*innen, deren Straßenleben vom Staat unterbunden werden sollte und immer noch soll, weil Betteln, zielloses Reisen und nomadischer Lebensstil nicht gewünscht sind und mit strafender Disziplinierung des Staates »bekämpft« werden. Heute wie damals. Die Zeichensprache der Zinken ist weitgehend nur durch juristische und kriminologische Diskurse überliefert, aber markieren sie möglicherweise die Schwachstellen einer ausschließenden, bürgerlichen Gesellschaft? Der Underground solidarisiert sich in diesem Bild mit dem Untergrund und erlaubt sich, daran zu erinnern, dass die Straße und der öffentliche Raum zum Leben da sein sollten. Durchaus auch zum nicht reglementierten Leben, denn das höchste Ziel der Gesellschaft sollte nicht der Schutz von Eigentum sein, sondern das Glück möglichst aller. Moment! Und wie sieht dieses inhalts- und beziehungsreiche Bild denn jetzt aus? Am besten einfach vorbeischauen im Yppenpark und Teil des Straßenlebens werden!

HipHop am Yppen

Am Ende eines andeutungsreichen Textes fragen sich die Leser*innen: Nanu, war dieses skug nicht irgendwie eigentlich auch ein Musikmagazin? Stimmt. Musik ist immer im Gepäck und deshalb lassen wir am 25. Juni im Yppenpark auch wieder den Beton brutzeln. Mit HipHop Joshy & JerMc von der Heiße-Luft-Crew und Bianco Becky an den virtuellen Turntables, unterstützt von der skug-DJ-Line, damit der Beat uns nie verlässt. Denn ja, ganz gewiss, der Salon skug auf Rädern ist immer auch eine Party. Bei allen Sicherheitssorgen und Zukunftsfragen wollen wir unseren Mitmenschen auf der Straße auch im Dance-Move begegnen.

HipHop Joshy und JerMc sind Teil des Wiener HipHop-Kollektivs Heiße Luft. Während Joshy gerade sein neues Album »Konnex« mit Features von T-Ser, Yugo und Edwin veröffentlicht hat, battelt sich JerMc im Underground und haut Lines raus, in denen mehr Sugar steckt als in jedem Deutschrap-Eistee. Bianco Becky zieht derweil Hyperpop, R’n’B und Trap auf den USB-Stick. Als Teil von 808 Factory veranstaltet sie Partys für Menschen, die ihre Kniescheiben noch spüren. Beim Salon legt sie für uns ein Set auf, bei dem sogar die ärgsten In-der-Ecke-Steher*innen ihren Beckenboden kreiseln lassen. Los geht es ab 17:00 Uhr bei freiem Eintritt. Spenden für eine subkulturelle Zukunft sind gern gesehen – wir freuen uns auf euch!