Jimi Tenor

Out Of Nowhere

Warp

Es gibt Platten die will das Erstohr wütend zerbröseln. Das Zweitohr entflammt wieder süchtig heiß. Und der steroide Zwischencheck läßt die Wertung aus Balancegründen ebendort. Wenn Experimentalfunker Jimi das Städtelchenorchester von Lodz zur pseudoklassischen Ego-erweiterung ergreift, kann das viel heißen, aber nicht notwendig Gutes. Scorpions, Metallica, Deep Purple oder Grönemeyer gingen kürzlich diesen Deppenweg der Eigenaufwertung
(fehlen nur noch Kommerznulpen wie DJ Bobo). Und jetzt fangen Heroen der musikalischen Alternative mit solchen Blödheiten an? Wer den kleinen Mann mit dem schlohblonden Haar und den überdimensionierten Fliege Puck-Brillen in Köln erleben durfte, konnte verstehen. Nur mit einer mittelgroßen 70s-Fusion Band versehen, glamte, schmachtete und litt er die Sterne vom Himmel. Alles für Baby. Das soulige Croonen über dem somnambulen Swing mutierten R?n`B?s war da, nur hemmungslos verschroben und angeschrägt. Leidenschaft über dem kreativen Vulkan. Feuer, das auch diese Platte bewegt. Und ihre wilde Mixtur aus Trashseligkeit und Soulglamour trotz allen Großkotzes zu lieben lehrt. Das Orchester klingt wie seine Parodie als polnische Feuerwerkskapelle. Die Overtüren stinken nach gekünstelter Aufgeregtheit. Die Hartgitarren aus »Blood on Borscht« sind einzige Peinlichkeit. Aber auch all die machen Sinn wenn Jimi wieder die Sterne holt. Laßt uns mit ihm greifen. Finelande, singe points.