Mala Herba

»Demonologia«

[aufnahme + wiedergabe]

Mala Herba bedeutet so viel wie »böses Kraut« und diesmal ist vermutlich nicht Cannabis gemeint, sondern der Verweis im Bandnamen geht weiter – bis hin zum mittelalterlichen Kräutergarten und den oftmals ob des Verdachts der Anrufung finsterer Mächte in der frühen Neuzeit als Hexen verbrannten Frauen: Synth Witchcraft nennt Mala Herba das selbst. Bereits 2017 trat Zosia Hołubowska unter diesem Namen zum ersten Mal in Form eines »Demo« in Erscheinung. Als eine*r der hierzulande umtriebigsten Künstler*innen (Mala Herba forscht zu queeren Themen, zu neuen musikalischen Ausdrucksformen und bietet auch als Mitbegründer*in des Kollektivs Sounds Queer? Interessierten Einblicke in die Welt der elektronischen Klangerzeugung) hat Mala Herba in den letzten drei Jahren unzählige Bühnen bespielt (u. a. beim Salon skug) und wer das schon einmal erlebt hat, weiß von einer ungeheuren Intensität in der Live-Performance zu berichten. Mala Herba live gesehen zu haben, ist jedes Mal ein Erlebnis der performativen Art. Neben der Musik geht es hier schließlich um etwas: Musik als Empowerment, dem ist auch das herausragende Debüt des*der Ausnahmekünstler*in gewidmet. Ausnahmekünstler*in alleine schon deshalb, weil nur mehr wenige in der Popkultur eine wirkliche Figur entwickeln. So beschwört und gleichsam erforscht Mala Herba auf »Demonologia« (ja, eine Wissenschaft dazu müsste erfunden werden) alles Dämonische, Unheimliche, Deviante, Gespensterhafte und all die Phantome, die in und um uns ihren Spuk mit uns treiben. Das Ziel ist aber sicher nicht, diese Quälgeister auszutreiben, sondern sie zuerst einmal kennenzulernen und vielleicht dann auch noch lieben zu können. Seid stolz auf eure Eigenheiten! Und so ist Mala Herba eben auch politisches Projekt, das verdammt nochmal allen Non-Binarys, allen irgendwie Andersartigen auf dieser Welt Mut machen soll. Musikalisch macht dieses Album gleich mehrere große Sprünge nach vorne und da ist es schon fast verwunderlich, dass es sich dennoch um ein Debüt (sprich Erstlingswerk) handelt. Während das eh schon Großes ankündigende »Demo« von 2017 noch sehr dem Rituellen entsprochen hat, kristallisierte sich in den letzten Jahren ein verspieltes und freudvolles Songwriting heraus. Wo der Gesang anfangs noch durchgängig tranceartiges Schreien war, sticht jetzt eine klare Stimme hervor, die in den besten Momenten an Siouxsie Sioux (ja, die Goth-Ikone schlechthin) erinnert. Dabei ist das Ganze auch noch so dicht und intensiv, dass die Dämonen geradezu auf den Dancefloor stürmen. Ich weiß nicht, welchen Track ich gerne – wenn denn die Tempel der Nacht wieder öffnen dürfen – im dunklen Club hören wollen würde. Würde man mich fragen, ich würde sagen: alle! »Demonologia« ist am 15. Jänner 2021 auf dem renommierten Berliner Dark-Techno- und Wave-Label [aufnahme + wiedergabe] erschienen, einen Live- und Interview-Auszug in Kooperation mit der Sendereihe O-Sounds auf Radio Orange 94.0 gibt’s hier.