Kira

»Kira«

Kitten Robot Records

Vielleicht war ja doch ihr 60. Geburtstag ausschlaggebend dafür, nun endlich das erste Soloalbum zu veröffentlichen: Kira Roessler ist den meisten wohl ein Begriff als Bassistin von Black Flag. Von 1984 bis 1985 spielte sie in nur eineinhalb Jahren fünf Alben plus zwei Live-Alben ein. Mit ihrer Präzision am Rickenbacker-Bass legte sie das tieftönende Fundament für die geniale progressive Eigenwilligkeit der Flag’schen Spätphase. Davor hatte sie u. a. bei Twisted Roots, der Band ihres Bruders Paul Roessler, gespielt. Keyboarder Paul hat nun auch das Solodebüt produziert, das Kira nach wie vor freigeistig nonkonform als Punk verstanden wissen will. Damit haben freilich, rein musikalisch betrachtet, die zehn Songs entschieden weniger zu tun als »In My Head« mit »Nervous Breakdown«. Aber Kiras Songwriting schließt ja auch vielmehr an DOS, das Zwei-Bass-Projekt mit ihrem früheren Partner Mike Watt, an. Deren letztes Album »Dos y dos« liegt nun auch schon zehn Jahre zurück. Aber Kill Rock Stars veröffentlichte heuer zum Record Store Day »Justamente tres« von 1996 zum ersten Mal auf Vinyl. Wer Bass-Miniaturen wie »Even The Pain Has Changed« mit Kiras klarem, bisweilen leicht schrägem Gesang schätzt, wird auch einen Zugang zu den nun vorliegenden, in den letzten 13 Jahren geschriebenen Songs finden. Manches davon klingt nach wie vor skizzenhaft; interessanterweise eher dann, wenn die Instrumentierung mit Pauls Piano oder einer Violine erweitert wird. Vielleicht liegt ein Manko ja darin, dass diese Songs noch nie Bühnenluft geschnuppert haben, sehr wohl aber den Eindruck erwecken, dass sie sich erst live im Bandformat so richtig entfalten könnten: so wie »The Ghosts« mit seinen sachten Drums, einem Highlight dieses etwas unzeitgemäßen Albums.