Balkan Beat Box

»Give« | »Wait For Me«

Crammed Discs

Also mal vorweg: Paul Simon kann mich am Arsch lecken. Was er 1986 mit dem fragwürdigen Meilenstein »Graceland« aufführte, war nichts als die politisch korrekt versteckte Sü&szligholz-Exploitation: Die Zergatschung südafrikanischer Mbaqanga-Rhythmen zu Apartheid-Zeiten in Post-Folk-Bambi-Mantren war erfolgreichst, wegbereitend und in seinem dunklen Herzen zum Kotzen. Der ewige Student am dritten Kolonialisierungsweg mit Wanderklampfe und Retterinstinkt. Fast drei Jahrzehnte hat sich dankenswerterweise das Globalgefüge schon so weit aufgelöst, dass sich heutige Musiker tatsächlich ohne Wurzelzugehörigkeit neu transnational und disloziert verlöten können: So überschreiten die New Yorker Derwische Balkan Beat Box mit der vierten Platte die Mischkultur-Horizonte der Ursprungs-Bands Gogol Bordello und Firewater mit links. Härter, basischer, elektronischer, vielfältiger: Seargant Pepper mit Occupy-Furor! Pracht-Songs wie »Political Fuck« und »Enemy Is Economy« fetzen politisch Booty wie derzeit sonst nix. Die würdigen Ersetzer der Asian Dub Foundation in Sachen Protest-Hedonismus. Gemütlicher, aber nicht minder begnadet: Die mittlerweile neunte Platte des ehemaligen dEUS-Drummers Stef Kamil Carlens, der seine Antwerpener Ethno-Kifferkommune diesmal zum zwiefachen Zwischenspiel nach Burkina Faso verschifft. Und die samtenen Schräg-Symphonien gemeinsam mit lokalen Grössen wie Awa Demé und Mamadou Diabaté Kibié funken derma&szligen organisch und auf selber Augenhöhe, wie es Herr Simon nie erträumen hätte können. Evolution ist also doch möglich!