DJ Taye

»Still Trippin’«

Hyperdub/Cargo/Trost

»2094« werde ich nicht mehr leben. Dieses beschauliche Opener-Instrumental ist eine lässige Übung in Eleganz. DJ Taye ist eine Generation jünger als die Teklife Crew-Gründer DJ Rashad und DJ Spinn. Seine Rapkünste stellt er gleich im Titelsong »Still Trippin’« aus. Zu entgleisenden Basslines. Genretypisch wird es erst, wenn die Teklife-Kollegen DJ Manny und DJ PayPal eingreifen: Bestechend die knappen Wortwiederholungen und die frechen Synthschwurbeleien sowie das querliegende, reduzierte Drumprogramming. Insgesamt ist es aber kein überbordendes Freak-Out-Album, sondern gediegene Ware. Wo etwa der Montrealer Odile Myrtil stimmlich an Neo-Soul andockt. Vielleicht ist es auch deswegen ein eher ruhiges Album geworden, weil es im Gedenken an DJ Rashad in einer zweijährigen Produktionsphase entstand. DJ Taye arbeitet zwar auf Footwork-Grund, doch geht es ihm nicht um Radikalität, sondern darum, das Genre zu öffnen. Zwar gibt es noch Experimente wie das flackernde »Bonfire«, doch DJ Taye will hörbar raus aus dem Underground und biegt Richtung souliger Digi-R&B-Flow ab, ohne deswegen kommerziellen Ausverkauf zu betreiben. DJ Taye wirbelt zwar immer noch einiges durcheinander, doch meist in anregenden, bezirzend schönen Tracks. Wie etwa in »Get It Jukin« feat. das exzentrisch abgehobene Rapping von Chuck Inglish, wo selbst die Footwork-Bässe gezähmt pumpen. Ein kleines Manifest, das Magie verströmt. Fazit: Footwork ist nach zehn Jahren längst raus aus dem Ghetto. Jazzy und ein wenig interstellar. Der Vokalistinnen-Anteil ist samplemäßig bereits hoch, umso besser, wenn Frauen ans Mikro treten: Jersey Club Queen Uniqu3 auf »Gimme Some Mo« oder Fabi Reyna, die Herausgeberin des »Women’s Guitar Magazine«, zu hören auf dem grandios-verträumten, Bossa-Nova-getränkten Outro »I Don’t Know«.

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