Zwischen Club-Schweiß, Soundart und sonischen Verwirrspielen: Zehn Jahre Max-Ernst-Label

Das Label von Thomas Brinkmann, umtriebiger Musiker und Produzent in Sachen schweißtreibendem Maschinen-Funk-Techno, war noch nie für vorhersehbare Releases gut. Wäre Brinkmann nicht die Musik dazwischen gekommen, wäre aus ihm vielleicht ja ein Kunstprofessor geworden. Womit es wohl nicht ganz abwegig erscheint, dass der Labelname etwas mit dem surrealistischen Maler zu tun hat.

Dabei okkupieren die meisten VÖs auf Max Ernst und dessen kryptischen Sublabels nicht traumwandlerische sondern recht handfeste, taktile und physische Terrains, die sich in sich verschachtelte, codierte Versteckspiele liefern. Wie nicht anders zu erwarten, spielt historisch aufgeladene Materialhaftigkeit dabei eine gewichtige Rolle. Die 2006 als KLICK veröffentlichte Platte »Revolution« – ein Sammelsurium vorangegangener KLICK-12“s – ist ein Grund mehr, ein transatlantisches Naheverhältnis zwischen Brinkmann und Richie Hawtin herzustellen, besteht diese Platte doch aus zahlreichen Auslaufrillen-Loops, diversen Turntable-F/X und Vinylrauschen, zusammengehalten von einem wilden Gewusel aus allerlei historischen Referenzen zwischen Chaka Khan und namenlosen White Labels. Ähnliches passiert auf BRINKMANNS »Tanks a lot« (2003), das an Hawtins »Decks, F/X & 909« denken lässt. Nur dass hier die Querverweise Richtung Donna Summer und Depeche Mode ausfallen.

Seit 2003 hat Max Ernst Richtung Georgien expandiert: Auch wenn das Album »Trauma« der Postindustrial Boys vom letzten Jahr vergleichsweise »massenkompatibel« war; Die ebenfalls der Goslab-Studio-Crowd in Tiflis angehörende, junge Musikerin Natalie Beridze aka TBA liefert mit »Empty/Stupid Rotation« (2006) bestens durchorganisierte Clubmusik und mit »Annulé« (2005) ein fragiles, mehrfach gebrochenes Soundepos, das Electronica-Pop mit dezenten Hinweisen Richtung Erik Satie bastardisiert. »Rotation« ist über weite Strecken wie ein Zeitfenster zurück in die Hochblüte von Techno, man sieht die schwitzenden Leiber im Berliner »Tresor« zur Chill-Out-Hour förmlich vor sich und dabei kommen einem diverse Kompakt-VÖs in den Sinn. Wäre da nicht dieser monotone Sprechgesang, der mich streckenweise an Genesis P-Orridge zu Psychic-TV-Zeiten erinnert und der Track »Masa« ein Update von DJ Hells Cover von »Hot on the Heels of Love« sein könnte. TBA gilt es definitiv in den Ohren zu behalten. Happy dancing äh birthday, Mr. Max!