HATI

»Zero Coma Zero« + »Recycled Magick Emissions«

Zoharum Records

Nachtmusik. Mitternachtsmusik. Dankenswerterweise hat anlässlich des zehnjährigen Outputs der Band das polnische Label Zoharum diese beiden ursprünglich 2004 und ’05 auf Nefryt veröffentlichten Platten wieder zugänglich gemacht. Präsentiert werden Aufnahmen des polnischen Duos HATI mit Klangexperimenten, wie sie sonst nur von Z’EV stammen könnten. Unlängst waren ihre geisterhaften Tribal-Sounds auf »Equilirium« (Hinterzimmer, 2012) in dem Projekt PRSZR mit Pure zu hören. Auf dieser Compilation dringen Rafal Iwanski und Dariusz Wojtas zur Rückseite des Spiegels vor: Gongs, Metallscheiben, tibetanische Glocken, Steine, Bambuspfeifen und Becken werden so rau und pur wie möglich gespielt, man wähnt sich in einer archaischen Kammer des Selbst. Wir wohnen einem Ritual in einem buddhistischen Tempel bei, dann könnte man meinen, Zeuge einer sibirischen Schamanen-Performance zu sein. HATIs Musik ist darauf angelegt, die Zirbeldrüse zu stimulieren. Bei »Recycled Magick Emissions« ist der Albumtitel Programm: Besonders interessant dabei das letzte, nur »III« benannte, viertelstündige Stück, das dem Ritual-Industrial der mittleren Achtziger jede Ehre macht. HATI legen auf diesem Tonträger subtil Fährten in unaufgearbeitete, psychoakustische Zwischenzustände: Wer dazu Yoga, Trance oder Ähnliches machen will, sollte sich vorher innerlich gereinigt haben, sonst könnte es böse Ûberraschungen geben. Bei all dieser Soundalchemie wundert es nicht, dass das Cover in den Farben Schwarz und Gold gehalten ist. Wem das alles zu viel Mummenschanz ist: HATI liefert richtig gute Perkussion so jenseits irgendwelcher Ethnoklischees wie sonst was. Ein veritabler Alternativ-Soundtrack zu Maya Derens »Meditations on Violence«.