Die Strottern

»Wia Tanzn is«

Cracked Anegg Records

Das Leben hält doch immer wieder ?berraschungen bereit. So hätte ich nie gedacht mich einmal mit den Schüssels im selben Konzertsaal zu befinden, so passiert bei der Präsentation der neuen Strottern-CD im Wiener Stadtsaal. Naja, man kann sich das Publikum halt nicht aussuchen. Am Altersdurchschnitt der Besucher konnte man ablesen, dass sich bei den Strottern um mindestens Erwachsenenmusik handelt, was aber nichts an der Qualität von »Wia Tanzn is« ändert. ?berhaupt werden mir die Strottern mit der Menge an Preisen (aktuell: Deutscher Weltmusikpreis 2012) die sie einfahren fast schon unheimlich. Nach dem ruppigen »Elegant«, einer Kooperation mit der Wiener Jazzwerkstatt, und der Live-Reformation klassischer Wienerlieder mit »Das grö&szligte Glück« folgt jetzt eine Art Mittelweg: Martin Eberle (Trompete) und Martin Ptak (Posaune) bereichern das trotz minimalistischer Besetzung facettenreiche Klangbild von Clemens Lendl (Gesang, Geige) und David Müller (Gitarre, Harmonium) enorm. Neben alpenländischen Klängen sind es die jazzigen Sounds, welche die Blechfraktion zum einzigartigen, (meistens) recht sanften Sound der Strottern 2012 liefern. Support holen sich die beiden Fast-Vierziger, die nach Jazz-Versuchen eher zufällig beim Wienerlied gelandet sind, bei befreundeten Autoren. Am längsten spielt diese Zulieferrolle der Wiener Dichter Peter Ahorner, bei dem sich die beiden Klosterneuburger im Stadtsaal auch gar nicht oft genug bedanken konnten, der mit »U1« den Text zu einem der herzzerrei&szligenden Höhepunkte von »Wia Tanzn is« beigetragen hat. Stefan Slupetzky, Daniel Glattauer und Christian Tesak sind die nicht minder gro&szligartigen Textlieferanten, wiewohl Clemens Lendl als Lyriker den genannten um nichts nachsteht. Nicht um jeden Preis gebraucht hätte ich das ironische Gospel »Liturgie« mit dem fetten Chor, das zwar textlich wunderbar ist, und in dem Reverend Lendl seine Rampensauqualitäten mal anders ausspielen kann. Dafür gerät am Ende das von Lendl getextete »Wunder«, eine Wiener Version von »Thema D’Amore« (Ennio und Andrea Morricone) zu einer Liebeserklärung an Giuseppe Tornatores‘ Film »Cinema Paradiso« (1988) und die Wunderlichkeiten des Lebens überhaupt. Das Wienerlied ist eben doch Weltmusik, oder »Wödmusi«, wie das Klaus Nüchtern einmal in anderem Zusammenhang bezeichnet hat.