John Lee Hooker

»Whiskey & Wimmen - John Lee Hookerʼs Finest«

Vee-Jay

100 Jahre John Lee Hooker! Der vermutlich am 22. August 1917 in den Outbacks von Clarksdale/Mississippi geborene und phänomenalste aller Delta-Blues-Gitarristen griff die Themen seiner brachial-genialen Songs mitten aus dem Leben. Zahllose britische Blues-Rock-Bands coverten »Boom Boom« (Sensation Records, Detroit 1948; Remake Chicago 1962), John Lee Hookers Adaption der Rufe einer resoluten Barfrau, die sein wiederholtes Zuspätkommen zum täglichen Live-Gig rügte. Und ZZ Top bauten scheinbar ihre ganze Karriere auf den räudigen E-Gitarrenriffs des unverwüstlichen Killersongs »Boogie Chillunʼ« (Sensation Records, Detroit 1948; Remake Chicago 1959) auf, dessen Lyrics auf einen seiner damaligen Lieblingsorte referieren: Henryʼs Swing Club. John Lee Hookers mächtige, laute Stimme und eine dreckig gespielte Delta-Blues-Gitarre genügten, um kalte Schauder über den Rücken zu jagen. Etwa auf »Crawlinʼ Kingsnake« (Remake Chicago 1959), ein Vorbildsong u. a. für The Doors. Und woher Nick Cave den Namen für eine seiner Bands hat, ist klar, wenn man »Grinder Man«, eingespielt für Stax Records in Miami 1961, jedoch erst 1969 veröffentlicht, hört. Aber auch die geschmeidigen Stimmen von Martha and the Vandellas passten gut zum John-Lee-Hooker-Sound, im »Frisco Blues« (Chicago 1962), einer Antwort auf den Entertainer/Jazzsänger Tony Bennett.

Sein Hauptlabel in der Windy City war Vee-Jay Records, dessen beste Einspielungen nun auf der Compilation »Whiskey & Wimmen« veröffentlicht wurden. Allein der Titel sagt schon aus, dass »Whiskey & Wimmen« prototypisch für den wüsten Chicago-Blues-Sound steht, der im Delta Blues wurzelt. Sidemen darauf waren William »Lefty« Bates (g), Sylvester Hickman (b) und Jimmy Turner (dr). Leider sind die Namen der Musiker aus einer Session Mitte 1964 in Chicago nicht mehr eruierbar, doch sorgten auch diese auf »Big Legs, Tight Skirt« und »It Serves Me Right« für ordentlich Zunder, den Einspielungen mit Mainstream-Rockstars in Hookers späten Jahren längst nicht hatten. So kam der 2011 Verstorbene neben Ruhm und Ehre wohl auch zu etwas Geld. Doch wo erlebte John Lee Hooker, dessen Laufbahn ihn zuvor nach Memphis, Knoxville und Detroit geführt hatte, seine Initiation? »My stepfather, he taught me how… That was his style, I play just like him«. Dieser frühe Delta-Blueser hieß Will Moore. MusikhistorikerInnen sollten sich aufmachen, mehr von Hookers wichtigstem Impulsgeber zu erforschen.