Various Artists

»Venezuela 70 - Cosmic Visions of a Latin American Earth...

Soul Jazz Records

»Venezuela 70 – Cosmic Visions of a Latin American Earth. Venezuelan Experimental Rock in the 1970s«

Diese CD ist stilistisch extrem breit angelegt – und dennoch lassen sich bei den diversen Acts und Songs Gemeinsamkeiten feststellen: Sie sind aus den »70s«. Gleich der Eröffnungs-Song von Vytas Brenner deutet mit seiner esoterisch-indigenen Grundstimmung an, wo die Reise auch hingehen kann: zurück in die Zukunft. Eine modernistische Vorstellung von indigener Musik verbindet sich häufig mit Elementen von Rock, Jazz, Funk oder Elektronik inkl. Lautmalereien zu einer breiten Fusion, in der einmal dieses Element ein andermal jenes stärker herausragt. Un Dos Tres Y Fuera sind ein typisches Beispiel hierfür. Und ein recht modern-zeitlos klingendes überdies. So wie auch Ofrenda Vitas Brenner mit »Caracas Para Locos«, eine gitarrenlastige Jazz-Rock-Fusion. Die 70s waren das Jahrzehnt der Fusion (es gab viel Geld zum Experimentieren!) und auch die Zeit, in der die Musik gerne in den Dienst einer heilvollen Zukunftsvision (politische und religiöse Vorstellungen vermischten sich in der lateinamerikanischen Befreiungstheologie) gestellt wurde – in Kuba wie in Braslien und eben Venezuela. Ein typisches Beispiel für experimentelle Fusion, wie sie in jenen Tagen in ganz Lateinamerika zu finden war, ist »Barcos de Papel« von Fernando Yvosky. Man kann die Musik dieser Compilation zwar experimentell nennen, aber nicht unbedingt und immer Rock, zu sehr spielen andere Stile eine gewichtige Rolle, nicht zuletzt ein klassischer Zugang, der sich aus den Musikerbiografien ergibt. Auch frühe elektronische Musik ist eingeschlossen. Nicht nur im Falle von Angel Rada gibt es übrigens eine klare Verbindung zur Deutschen Elektronischen Szene um Kraftwerk oder Klaus Schulze.
Man höre auch »Brazil 70« (2007) von Soul Jazz Records.