Various Artists

»If Music Presents: You Need This World Jazz Grooves«

BBE Music/Hoanzl

Das Londoner Label BBE – Barely Breaking Even Records – dived stets deep in die Auf- und Abgründe der Musiklandschaft und fördert dabei allerhand wertvollste Obskuritäten zutage, die auf Samplern versammelt selbst nerdigste Nerds zu überraschen vermögen und ihnen – uns also – spannende Neuentdeckungen bescheren, die im WWW einfach durchs Radar gingen. Es seien nur zwei Beispiele genannt: Musik aus Äthiopien der 1960er und 1970er Jahre und Disco & Funk aus Detroit – ihre Mixtapes verschiedenster Façon sind immer profund zusammengestellt und voller Überraschungen. Oder sie veröffentlichen J Dilla und Charles Mingus neu. Schwer, einen Überblick zu bewahren, was BBE jetzt nun im Allgemeinen macht, bei so viel Speziellem. Neueste Veröffentlichungen sind beispielsweise die wirklich (!) legendäre »Tachibana« vom Tohru Aizawa Quartet oder die »East Plants« vom japanischen Jazz-Schlagzeuger Takeo Moriyama. Oder eben die, nach den beiden »A Journey Into Deep Jazz«-Folgen und der Einführung in «Black Saint & Soul Note Records», von Jean-Claude und Victor Kiswell zusammengestellte »World Jazz Grooves«-Compilation. Ersterer ist Inhaber des in London ansässigen, traditionsreichen Plattenladens If Music. Letzteren kann man einfach einen Experten auf seinem Gebiet nennen, der die Welt bereist und nach Schätzen aus der Sphäre der Musik sucht. Dabei legen sie die wahnsinnige, kulturelle und ethnische Diversität der Genres dar, in diesem Fall die des Jazz. Diese Diversität ist es, die den Jazz so lebendig macht und dafür sorgt, dass er relevant bleibt. Für den Opener haben sie die heute so sehr aktuelle Spoken-Word-Performance »Illustration« von Vietnam-Veteran Billy Bang aus dem Jahr 1978 ausgesucht. Sie zeigt den Jazz in seiner politischsten Form und ist gleichzeitig musikalisch AF. Weiter dazu gesellen sich Stücke von Michel Sardaby aus Martinique (ultra groovend und cool, zum Weinen schön), von dem Multiinstrumentalisten Kafé aus Guadeloupe (!), The Theo Loevendie (Niederlande), Armand Lemal (Marokko) und Masabumi Kikuchi (Japan). Closer des Albums ist die afrikanische Township-Ballade »IT Twenty-Five« von Joe Malinga & Southern African Force. Toll an der ganzen Sache ist, dass sich trotz der großen Streuung auf der Weltkarte der rote Faden, das Bluesige des Jazz und nicht zu vergessen der Groove nämlich, vertraut und alles miteinander vereinend durch das Album zieht. Man ist schlau, wenn man sich an BBE hält, denn man bekommt nur Gutes zu hören.