Antony & The Johnsons

»Turning«

Indigo

Neue Platten und zu früh gezogene Schlüsse: Ohne vorher die »Turning« beigelegte Presseaussendung gelesen zu haben, lege ich das neue Live-Album von Antony Hegarty auf und bin gleich zu Beginn bass erstaunt, welch grandiose Erhabenheit den Sänger und Pianisten mit seiner Band The Johnsons mittlerweile umgibt. Gesanglich scheint er auf der Höhe seiner Ausdruckskraft und auch die breit aufgestellte Band bindet herrlich sprießende Klangbouquets. Erst einige Glücksmomente später finde ich durch Recherche heraus, dass »Turning« keineswegs den aktuellen Antony zeigt, sondern bereits 2006 im Londoner Barbican Centre im Zuge einer Zusammenarbeit Hegartys mit dem Filmemacher Charles Atlas aufgenommen wurde. Fazit: Antony & The Johnsons waren einfach immer schon fantastisch. Gleich die ersten Minuten des Albums zeigen die Band in Hochform. »Everything Is New« scheint in den Himmel aufsteigen zu wollen, mit seinen sehnsüchtigen Akkordwechseln und der zart orchestralen Kulisse. Von großen Momenten gekennzeichnet ist auch das hypnotisierende »Where Is My Power«. Gegen Ende spitzt sich dessen verzaubernde Form in einem langen Accelerando noch zu. Am berauschendsten ist neben Hegartys klarer Stimme wohl das stupende Zusammenspiel der vielen Instrumente (Klavier, Streicher, Konzertgitarre, Holzblasinstrumente, etc.). Nach einigen Stücken gerät man in einen regelrechten Trancezustand, der erst durch das plötzlich eintretende Schlagzeug bei »Kiss My Name« beendet wird. Gegen Ende hin macht sich aber wieder tiefste Ruhe breit, womit nach fast 80 Minuten ein zartes Meisterwerk zu Ende geht. Parallel erscheint übrigens auch eine DVD des Londoner Konzerts. Doch externe visuelle Eindrücke braucht es bei dieser Musik gar nicht. Sie kommen ganz von allein.