Andy Moor

»Transfer«

Unsounds

Nun liegt sie endlich als Compilation-CD vor: »Transfer« ist die Zusammenfassung von vier Singles, die der französische Poet Chaton und Moor im Lauf der letzten Jahre herausgebracht haben, angereichert mit einer weiteren 7“-VÖ und mit »Metro«. Es ist nach »Le Journaliste« (2009, ebenfalls Unsounds) die zweite Fulltime-Platte eines meiner Lieblingsduos, das sich 2004 nach einem Auftritt Chatons mit der Band The Ex ergeben hatte. Mit dabei auf dieser CD ist Yannis Kyriakides, der zusammen mit Moor das Label Unsounds betreibt. Wir haben es mit einem regelrechten Konzeptalbum zu tun: Wie es der Name nahelegt, dreht sich auf »Transfer« alles um Bewegung, Autos, Straßen und Transformation, quergelesen von einer fast unüberschaubaren Anhäufung an popkulturellen Verweisen zwischen Moby Dick, der Titanic, Agatha Christie, Prinzessin Diana und Grace Kelly (letztere beiden kamen in der Single »Princess In A Car« sozusagen zu Wort bzw. war die Single der popkulturellen Affirmation ihres Autotodes gewidmet). In Chatons Poetik lassen sich Dada wie Lettrismus ausmachen, die stakkatohaften Gewehrfeuersalven seiner Rezitationen zeigen nur minimalste Variationen, sind bis zur Penetranz im Detail verhaftet, um dadurch einen Bewusstseinsstrom loszutreten, in dem die Psyche zu einem Malstrom verwirbelt wird. In seinem sonoren Vortrag schwingen für mich Bataille genauso mit wie Godard, Artaud genauso wie Deleuze (Textzeilen als Rhizome). Moor liefert mit präparierter Gitarre, abstrakten Klangflächen und Elektronikbeats repetetive, entschlackte Soundcluster, die Improvisation gleichermaßen internalisiert haben wie Dub. Bei »Transfer« muss ich immer wieder an The Melvins denken: das Gaspedal ist voll durchgetreten, gleichzeitig die Handbremse angezogen. Es ist eine Dromologie interdependenter Be- und Entschleunigung.