Konstantin Raudive

The Voices of the Dead

Sub Rosa

Yet at Night, God’s Air is free. Raudive. 1904 – 1974. Für viele war er ein skurriles litauisches Professorchen, der ein wenig zu viel in zu oft gehörte elektromagnetische Aufnahmen hinein interpretierte. In jedem Fall war er der erste der zu Tape-Loops halluzinierende Wissenschaft betrieb. Denn gemäß seines Lehrmeisters C.G.Jung bestand die Welt aus ineinander verschachtelten Mandalas, verzweigten Mysterienwelten, die ihre Äste durchaus auch in akustische Weiten jenseits der menschlichen Wahrnehmung ausbreiteten. Seine 1971 im Buch »Breakthrough« veröffentlichte Methode befasste sich mit dem Erhören der Toten. Das aber nicht als gotische Einzelstimme aus dem Ouija-Brett, sondern als regelrecht babylonisches, multi-ethnisches Stimmengewirr. So erkannte er aus repetiertem Raumrauschen Einzelsätze, die sich aus russischen, deutschen und schwedischen Partikeln zusammen setzen. Die Auflösung der Kultur zu einer Allerweltseele oder viel Zeit im Jenseits für Sprachkurse? Wer weiß? Burroughs, Morrisey und Orridge schworen auf ihn. Und auch Sub Rosa, die hier eine Selektion von Raudives Lektionen sowie seines jenseitigen Klangfangs versammelt. Die zu gleichen Teilen zwischen geschaltenen Remixe durch DJ Spooky, (logisch) Scanner, CM von Hauswolff, Lee Ranaldo und (ganz wunderbar) Calla pendeln gleichwertig zwischen Wissenschaftlichkeit und Camp. Da kommt hinter dem ganzen gruselnd vergeistigtem Sphärensausen doch das Zwinkerauge: I HEAR DEAD PEOPLE! Und Buh!