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Da haben wir’s: Nicht nur den Beweis dafür, dass Metal und Electronica als das »neue«, mittlerweile breitenwirksame Ding verhandelt werden, sondern auch, dass diskursive Stolperfallen gerne mal genommen werden. Der schwedische Komponist Christofer Lämgren nennt sein Werk hochtrabend »Ontology«, und weil sich Touch, ansonsten ein Label mit jahrelanger Stilsicherheit, da wohl etwas zu profilieren sucht, muss diese CD her. Ist schon gutes Zeugs, kann man nichts sagen, die massiven Drone-Wälle sind vorbildlich und sauber aufgezogen, Elektronik-Lärm ist so getuned, als wenn er von Gitarren käme. Aber für die Liner-Notes einen Textausschnitt vom norwegischen Kirchenzündler Burzum aus seiner Platte »Filosofem« zu nehmen und das Ganze noch »post«-Black Metal zu nennen? Es ist nachvollziehbar, dass es für diese ewiggestrige Möchtegern-Fascho-Dumpfbirne erstaunlich war, dass digitale Musik wie organische Prozesse klingen können, aber welche Relevanz hat seine »Erkenntnis« für Lämgren? Das riecht so was von schwer nach Ausverkauf mit den bösen skandinavischen Metallern. Oder ist es schlichtes Nicht-Checken? Nochmals, wir reden hier immerhin von Touch. Jaja, und im Nachhinein hei&szligt’s dann: War eh alles nicht so ernst gemeint? Wozu dann das Ganze? Ein musikalisch durchaus überzeugendes Album, als Gedankenmodell leider eine Niederlage. Da bleibe ich lieber bei Sunn O))), Merzbow oder Drumcorps, denn die wissen, was sie tun. 

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Text
Heinrich Deisl

Veröffentlichung
21.08.2009

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