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So was lieben/brauchen alle »24 Hour Party People«! Drei CDs (mit jeweils »Intros« von Rob Gretton, Tony Wilson, Mike Pickering & Martin Hannett) mit denen sich ganz einfach eine Nacht in der Hacienda genau zu jener Zeit (Mitte/Ende der 1980s) nachstellen lässt, als Techno/House nach England kamen, Rave gerade beim Entstehen war und aus »Manchester« langsam (und vor allem in der Nacht) »Madchester« wurde. Und wie immer, wenn es um vermeintliche »Ursprünge« geht, finden wir genau bei diesen ein wirres Gewusel aller möglicher Musiken, zusammengehalten eigentlich von nur ein paar Parametern (Rhythmus, Electronic, Northern Soul-Reminiszenzen, neue Body Languages, allgemeine Durchlässigkeiten auch in Sachen race/gender/class). Natürlich sind diese Sampler auch nichts andres als geschönte Momentaufnahmen, zeitlich zusammengeschobene Momente höchster Intensitäten und grenzenloser Möglichkeiten. Hier stehen keine Ärsche vor und in den Clubs funkillend in der Gegend herum, hier ist noch nichts von der späteren Rerockifizierung und Reverbritisierung der englischen Rave-Szene zu spüren. Stattdessen hören wir Todd Terry, Al Naayfish, Joe Smooth, New Order, Rhythm Is Rhythm, Candy Station, Farley »Jackmaster« Funk & Jesse Saunders, Happy Mondays, 808 State, A Guy Called Gerald, Black Box, Inner City, Mr. Fingers, Primal Scream, Orbital, Shannon – alles Musik, die mitunter für das heutige Discopublikum (das damals wahrscheinlich noch nicht mal in Planung war) wie der größte Kommerzkack klingen mag, wobei speziell die Housetracks erneut so provozieren, als wäre allein deren Abspielen eine »anstößige Handlung«.

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Text
Didi Neidhart

Veröffentlichung
05.06.2006

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