CocoRosie

»Tales of a Grass Widow«

City Slang

Mystische Elegie ist auch eine Antwort. Eine Dekade ist vergangen, seitdem die exzentrischen Songwriter-Schwestern mit »Maison de mon Reve« nach langsamem Start zu Kult, Klassiker und Meilenstein der Nuller-Jahre mutierten. Das neue Leise, Freak Folk und Indietronica fanden in ihren weltmunter verhaltensgestörten Anti-Songs den stil-animierenden Common Denominator. Björk für die Generation Cyber-Hippie, den Wollmützen-Laptop in der Hand. Heute ist das nicht weniger aktuell. Aber das tägliche Charts-Futter, von Sophie Hunger über La Roux bis zum klammen Fad-Hype von Soap & Skin, hat die Moves und Likes von Bianca und Sierra Cassidy bereits ins eigene Schaffen Xerox-kopiert. Unseren Ladies bleibt es wurscht. Auch Album Nr. 5 klingt meilenweit am großen Karriereplan vorbei. Elf kreuzverkiffte, von Ziel und Punkt befreite Daddel-Liedchen von queerem Donner-Charme und sprödester Uneingängigkeit. Der menschliche Faktor bleibt ein Dauer-Tourette inmitten des Blumenbrüder-KlingKlangs, das immer deutlicher mit mainstream-kompatiblen Ethno-Fragmenten, R’n’B-Frickeln und Funk-Bröseln manövriert, um sich dann (mit Ausnahme des Songs »Villain« und Antonys Gast-Song »Tears for Animals«) doch zu verweigern. Wohlfühl-Schamanismus und Underground-Esoterik, das ist indeed very 2013, auch wenn’s wenig mit Musik zu tun hat.