Zola Jesus

»Taiga«

GoodToGo

Die Entstehungsgeschichte von »Taiga« steht im Widerspruch zu einem alten MusikerInnenklischee: Für den Songwritingprozess ihres neuen Albums zog sich Zola Jesus aus dem Stadtleben zurück und verbarrikadierte sich stattdessen in einer abgelegenen Hütte im klirrend kalten Nordwesten der USA. Die unberührte Natur besitze gegenüber dem urbanen Dasein nämlich eine besondere, inspirierende Kraft, so die Sängerin und Klangforscherin. Die Zivilisation sei nicht mehr als »a temporary fix from the chaos of things«. Und das Chaos, das Zola Jesus sucht, liegt eben in der »Taiga«. Doch während bei Alben, die von Stadtmenschen in ländlicher Isolation konzipiert und aufgenommen wurden, meist an verschrobenen Traditionalismus und Träumerei gedacht wird, legt Zola Jesus mit »Taiga« ihre bisher munterste, energischste Platte vor. Ja, oft denkt man beim Hören tatsächlich eher an pulsierende Großstädte denn an endlose Schneelandschaften. Schon die wilden Drums und Sci-Fi-Bläser im eröffnenden Titelsong geben einen glanzvollen Eindruck der Neuausrichtung von Zola Jesus, der durch die Pop-Beats und Hooklines in Songs wie »Dangerous Days« oder »Long Way Down« verstärkt wird. »Hunger« wirkt nachgerade frenetisch, stellt man die anämischen Soundscapes früherer Tage in Rechnung. Gleichzeitig gelingt es Zola Jesus, die vielen stilistischen Brüche in einem logischen Entwicklungskontext aufzubereiten, der auch die alten Gespenster nicht gänzlich ignoriert. Diese Mixtur macht »Taiga« zu einem sehr hörenswerten Album.