Aphex Twin

»Syro«

Warp

Paisley-Tech, die Wundertüten-Packung. Gottchen, wie wurde die gülden gekrönte Wiederkehr des großen Richard D. James in den letzten Wochen hochgehimmelt und beshitstürmt wie sonst nur der verdiente U2-Ober-Gau bei iTunes. Und tatsächlich, der alte Knabe hat das Zauseln, die Scheidung, die Papa-Pflichten, die eine Stil-Ikone dann doch auf den Boden des Menschlichen zurückholen, gut überstanden. Ganze sechs Platten sollen in den 13 Jahren seit dem unterschätzten letzten Album »Drukqs« im Stillen und Geheimen produziert worden sein. Prince alone in the Studio. Wie viele hatten vermutet, die Legende würde für immer schweigen und stetig musealisieren? Der Bubble-Bounce-Raver auf ewig gefangen unter den alarmgeschützten Käseglocken von MoMA, Guggenheim und ICA. Umso schöner, wie ungezwungen, spaßecken-gierig und blödelverliebt Aphex Twin hier die bunten Seifenblasen-Loops zieht. In 12 Tracks und knapp über einer Stunde schippert er mit dauerdaddelnder Brillianz durch die höchstselbst mitgeschriebene Musikgeschichte an Electronica und IDM als gelte es die eigene Cartoon-Bibel für die Ewigkeit zu schreiben. Flauschender Äther-Stampf. Fiep-Jungle-Mosaike. Gameboy-Ambient. Alien-Minipops. Fast klingt es wie eine Zeitmaschine in eine optimiertere Vergangenheit, einer hochgetuneten Rave-Tanzfläche im Erdbeer-Rauch von 1991. Aber keine Angst: Hier ist jemand nur sehr, sehr, sehr glücklich. Und die Kinderkens mögen’s auch.