Sugar Minott

»Sugar Minott at Studio One«

Soul Jazz Records

Lincoln Minott, genannt Sugar, »war vielleicht Reggaes größter Hoffnungsträger während der frühen 80er, aber seine Weigerung, Kompromisse einzugehen und sich von seinen Wurzeln beziehungsweise seinen Ghetto-Kameraden abzuwenden, marginalisierte seinen Einfluss, und er ist heute eine periphere Figur, ganz im Gegensatz zu der bedeutenden Kraft, als die er wohl gelten sollte«, stand 1994 im »Guiness Who’s Who in Reggae« zu lesen. »Sugar Minott at Studio One« widmet sich ganz jener Zeit, die als Minotts beste Jahre gelten. Im Verlauf der Siebziger hatte Coxsone Dodds Studio One, nachdem große Stars wie Alton Ellis, Ken Boothe oder John Holt die Hit-Schmiede verlassen hatten, sukzessive an Bedeutung verloren. Das änderte sich jedoch nachhaltig, als Sugar Minott, bis dahin Studiomusiker bei Dodd, zum Mikro griff und mit unvergleichlich samtener Stimme aus altbewährten Studio-One-Riddims neue frische Hits wie »Oh Mr. DC«, »Vanity« oder »Jah Jah Lead Us« zauberte. Das »Recyclen« alter (Studio-One-)Riddims war in Jamaika an und für sich nichts Neues und wurde zuvor schon von einer Reihe anderer Produzenten und Musiker praktiziert. Sugar Minott bewies dabei allerdings eine derartige Kunstfertigkeit und Originalität, dass er heute quasi stellvertretend für dieses Epoche steht. So sehr sich der Ruf Sugar Minotts auch auf seine bahnbrechenden Studio-One-Singles (großteils auf den Alben »Live Loving«, 1977, und »Showcase«, 1979, zu finden) bezieht, darf nicht vergessen werden, dass er viel mehr und langlebiger war, als diese großen Erfolge suggerieren. Mit den African Brothers hatte er schon Anfang der Siebziger im Vokaltrio mit Toni Tuff und Derrick Howard Klassiker des Roots Reggae geschaffen, anschließend für Studio One Backvocals gesungen, Gitarre und Schlagzeug gespielt. Immer hatte er auch ein Auge auf junge Talente wie Triston Palma oder Tenor Saw, die er mit seiner Youth Promotion und seinem Label Black Roots förderte. Er produzierte und begleitete aber auch etablierte Größen wie Alton Ellis oder Horace Andy. Die Siebziger und Achtziger sahen ihn von Erfolg zu Erfolg eilen, vor allem in England, wo er auch wesentlichen Einfluss auf die Entstehung des Lovers-Rock-Genres nahm. Sugar Minott verstarb 2010, eine ihm rundum gerecht werdende Anthologie steht meines Wissens noch aus und müsste sich wohl über mehrere CDs erstrecken. »Sugar Minott at Studio One« versammelt immerhin viele seiner besten Songs und Hits der Jahre 1977 bis 1982. Es ist, wie das Cover mit Fug und Recht verkünden kann, der Sound, »der eine Ära definierte«.