Nowhere Train

»Station«

Schoenwetter

Im Frühsommer 2009 zog das Country/Folk-Kollektiv Nowhere Train, bestehend aus Mitgliedern verschiedener österreichischer Bands (u. a. Love & Fist, A Life, A Song, A Cigarette) und dem US-amerikanischen Singer/Songwriter Ian Fisher aus, um bei einer Konzertreise durch Ûsterreich mehr über das Leben (und alternative Formen desselben) zu lernen. Man spielte auf Wiesen, Bahnhöfen und sogar im Garstner Gefängnis, oft nicht wissend, woher man eine warme Mahlzeit und einen Schlafplatz bekommen würde. Das gemeinsame Vagabundieren wurde von zwei Kameras dokumentiert und von FM4-Mann Hosea Ratschiller als Tagebuch festgehalten, woraus der sehenswerte Film »Away To Live« entstand, der nun auf der Special Edition von »Station« enthalten ist. Eine Albumveröffentlichung war zum damaligen Zeitpunkt allerdings gar nicht geplant und auch »Station« wäre wohl nicht zustande gekommen, hätten Nowhere Train es nicht in exakt einer solchen eingespielt. Genauer gesagt, der alten aufgelassenen Eisenbahnstation im niederösterreichischen St. Leonhard am Forst. Herausgekommen ist eine Platte, die dem Kaleidoskop an Erlebnissen on the road zumindest nahekommt. Jeder der vier Songwriter (Jakob Kubizek, Ian Fisher, Stephan Stanzel, Frenk Lebel) bringt verschiedene Schwerpunkte ein, was sich konkret zwischen gestandenem Stomp-Country (»Ashes«), zartem Folk (»To All My Demons«) und Herzschmerzballade (»I Take You In«) ausformt. Offensichtlich von formellen Zwängen befreit, transzendieren Nowhere Train genauso gekonnt ein Gillian Welch-Cover (»Annabelle«) zum eigenen Song, wie sie Lebels Beitrag »Outrageous« mit Kosakenchören veredeln. Dem mittlerweile zum Septett angewachsenen Kollektiv gelingt das, was umgekehrt zum leichten Scheitern des Albums hätte führen können: es wirkt glaubwürdig. Das Schunkelnde, das Klagende, das Countryeske, und auch das Klischeehafte: Nowhere Train tragen es mit ?berzeugung vor. Sie fangen ein Gefühl ein, das wohl nur jene nachvollziehen können, die Teil der Unternehmung waren. Allen anderen geben sie zu verstehen, dass diese Möglichkeit ihnen auch offensteht.

»G. Bus Schweiger’s Rezension