Dale Cooper Quartet And The Dictaphones + Witxes

»Split«

Denovali Records

Les ténèbres frainçaises: das Quartett aus Brest trifft auf Witxes aus Lyon, zwei Tracks, jeweils etwas mehr als zwanzig Minuten lang. Ein cinematischer Dark-Jazz-Trip, inspiriert von Stücken der jeweils anderen Formation. Im Unterschied etwa zur Mount Fuji Doomjazz Corporation, die sich gerne bei Gialli und Sexploitation bedient, schwingt auf dieser CD – vielleicht auch nur in meiner Klischee- vorstellung, weil ja Franzosen – ein Melville, ein Truffaut und ein regennasser Kassowitz durch den Äther. Und dann wieder 1950er-Ästhetik in körnigem Schwarz-Weiß. Entschleunigung wohin man blickt, ein in Melancholie watendes Saxofon, frühabendliche Geröllberge aus Gitarren-Drones, auf die zart der erste Schnee perlt. Maxime Vavasseur aka (((Witxes))) geht es ätherischer und gleichzeitig heftiger an, die Koordinaten sind auf Ambient, Noise-Drones, aktualisierte Musique Concrète und Ideen von Bassmusik in Jazz eingestellt. Die Klammern um den Bandnamen sind wahrscheinlich nicht nur Zufall, man denke an eine US-amerikanische Drone-Gruppe. Ein Labyrinth an Gitarren-Feedbacks, durch das allerlei freundliche, aber auch fratzenverzerrte Geisterschatten wandeln. Nun könnte man beiden Bands vorwerfen, das sei weder Fisch noch Fleisch, denn spätestens seit Bohren & The Club of Gore soll’s in den Eingeweiden jucken. Und man könnte sagen: beim Shoegazen wohl eine Prise Cocteau Twins und My Bloody Valentine geschnupft. Schon wahr. Aber wenn man sich erst mal auf die äußerst präzisen Unschärferelationen dieser Split-Platte eingelassen hat, wird alles um einen herum psychedelisch. Wie heißt es im Film »Deadman« so scharfsinnig: »Vielleicht siehst du ohne Brille besser als je zuvor«.