Salon skug auf Rädern © Redaktion

Salon skug auf Rädern #1

Blicken wir kurz einmal nicht auf die steigenden Infektionszahlen in Österreich, sondern freuen wir uns auf den nächsten Sommer! Denn da kommt der Salon angerollt, vielleicht sogar in den eigenen Hinterhof.

Zu skug gehört der Salon skug wie das Novomatic-SMS zur österreichischen Volkspartei, es ginge zwar irgendwie auch ohne, dann kommt aber nicht die richtige Stimmung auf. Deswegen wird der nächste Sommer wieder monatliche Salons in Wien bieten, mit aktuellen (kultur-)politischen Panels, Lesungen, Live-Konzerten und ganz viel DJ-Line. So weit, so freudig bekannt. Im Mai geht es los, wenn Covid es erlaubt. Nun haben manche vielleicht schon einmal von dieser blöden G’schicht mit dem Klimawandel gelesen, den knapper werdenden Energieressourcen und dem daraus erwachsenden beinahe unerträglichen Elend einer immer ungerechter werdenden Welt. skug schmeißt Partys, aber dieser Sachverhalt ist uns alles andere als egal. Die Frage war und ist, wie wir mit unseren geringen Mitteln zumindest ein klein wenig an dieser Misere ändern können. Deswegen die selbstgestellte Aufgabe: Gibt es einen Salon skug ohne Verbrennungsmotor? Hier was wir bisher erreicht haben.

skug macht mobil
Der mobile Salon skug im Sommer braucht einiges, aber nicht sehr viel. Wir brauchen Sound (somit eine PA), ein bisschen Licht, einen gewissen Sonnenschutz bzw. Schutz für den leichten Regen, ein paar Ablageflächen und Sitzgelegenheiten. Dies lässt sich auf zwei Lastenfahrräder packen, die wir eigens dazu haben anfertigen und weiter durch kundige Designer*innen adaptieren lassen. Wichtig auch im Kultur- und Musikjournalismus ist die realistische Selbsteinschätzung und die führte uns zur ersten schwierigeren Abwägung. Kommen wir mit einer PA und Equipment von knapp hundert Kilo (je Radl) auf den Wienerberg? Hmmm, vielleicht nicht. Und wenn, dann nach einer ganz ungewöhnlich langen Fahrzeit und müssen uns oben auf dem Berg erst einmal ins Sauerstoffzelt legen. Also brauchen wir Elektrozusatzmotoren. Und an der Stelle befinden wir uns sogleich in gewissen Widersprüchen verstrickt. Die heute propagierte Wende zur E-Mobilität ist eine Mogelpackung.

Viele der batteriebetriebenen Kleinfahrzeuge (Roller oder Bikes) ersetzen lediglich Muskelkraft und schaffen keinen Umstieg von den Benzinkutschen. Elektroautos sind sowieso ein Schmäh, weil sie viele Öko-Probleme mit der alten Autoflotte teilen (Platzverbrauch, Ressourcenverbrauch und -verschwendung, weil die Individualverkehrswerkzeuge fast nur rumstehen und vieles mehr). Die Batterie ist in der Stadt besser, weil sie nicht den Schadstoffausstoß des Verbrennungsmotors unmittelbar vor den Kindergarten bringt, dafür wird aber leider umso mehr Dreck bei der Verstromung gemacht. Außerdem brauchen Batterien sehr viel Energie bei der Herstellung, die Materialien werden durch beträchtliche Umweltvernichtungen gewonnen und es gibt (anders als Marsbewohner in spe Elon Musk behauptet) keine heute bereits funktionierende Recyclingmöglichkeit. Bei pessimistischer Rechnung muss die gleiche Energiemenge, die eine Batterie im Laufe ihrer Lebenszeit speichert, nochmals aufgewendet werden, um die Batterie herzustellen und zu entsorgen. Das ist nicht gut. Da wir aber für die Salons die meiste Energie erstrampeln, ist das E-Lastenbike immer noch besser als Benzin oder Diesel der herkömmlichen Transporter.

Claim the streets
Unsere Salon-skug-Bikes – genaugenommen Trikes – werden auf der Straße eine echte Meldung sein. Die Fahrzeuge sind mit Anhänger knapp fünf Meter lang und somit etwa so lang wie ein Auto, wiewohl nur halb so schmal. Wir gehen hier bewusst dem hochpolitischen Kampf um den Straßenraum nicht aus dem Weg. Claim the streets. Bei den ersten Probefahrten in einer niederösterreichischen Bilderbuchgemeinde lernten wir sogleich, was dies bedeutet. Die interessierten Mitbürger*innen beim Hundespaziergang fragten, ob wir denn für diese Gefährte auch eine Genehmigung haben. Ja, es gibt eine Betriebserlaubnis, anders als es sie strenggenommen für viele VW-Diesel gibt, nur da fragt nie jemand. Bei unserem Konzertbetrieb müssen wir nicht wie Fahrradbot*innen denken. Das schnelle Durchschummeln ist nicht nötig, wir reisen einfach mit ausreichend Aufbauzeit an. Auf dem Weg zum Veranstaltungsort werden wir uns nicht durch die viel zu klein bemessenen Radwege zwängen, sondern nehmen unser Recht wahr, die »richtige Fahrbahn« zu benutzen. Vermutlich werden einige Automobilist*innen skug begeistert googeln und die eine oder andere Diskussion an der Ampel wird sich nicht vermeiden lassen.

Aber das ist eben ein nicht unwesentlicher Teil des Kampfes um den Stadtraum. Die Überlegung, die Stadt den Autos zu schenken, will und muss korrigiert werden. Mit den Salon-Trikes fahren wir dann zu verschieden Orten in der Stadt und schlagen dort die Zelte auf. Zu diesem Zweck sind die Fahrzeuge so designt, dass sie im Grunde rollende Flight-Cases sind, also diesen schwarzen Kisten mit Metallrändern ähneln, die immer hinter den Konzertbühnen herumstehen. Jedes Volumen, jede Fläche ist zeitweilig Transportraum und wird vor Ort zu Ablagefläche, Sitzgelegenheit, Boxenhalterung oder Sonnenschutzverankerung. Damit eröffnen wir Orte im Stadtraum für Kunst, Musik und Diskussion, die sonst nie oder wenig bespielt werden. Welche Orte dies genau sein werden, ist noch ein Geheimnis, unter anderem weil wir selbst noch nicht genau wissen, wo und wann (Covid, you know…). Wir sind aber zuversichtlich, dass es die Veranstaltungen im Sommer 2021 geben wird, wenn auch mit gewissen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, aber das haben wir auch im letzten Sommer gut hingebogen.

Dank an unser Team und unsere Kooperationspartner*innen
Beim Salon skug auf Rädern geht es nicht darum, das Gewissen zu beruhigen (das klappt eh nicht mehr), sondern darum, einen Weg zu finden, etwas dauerhaft zu ändern. »Nachhaltigkeit« ist meist nur ein verkaufsförderndes Wort, mit dem Salon auf Rädern möchten wir aber eine dauerhafte Verhaltensänderung erreichen. Die Radln sind somit kein Eventschmäh, der nach einem Sommer vergessen ist, sondern unsere Salon-skug-Trikes sind gekommen, um zu bleiben, und sie sollen fortan die Mobilitätsgrundlage für unseren Veranstaltungsbetrieb sein. Dabei gibt es viele technische und logistische Hürden zu überwinden und das würden wir bei skug niemals allein schaffen. Deswegen haben wir kundige und großartige Partner*innen mit aufs Radl gebeten. Von Cyklus unterstützt uns Rüdiger Suppin und von Surfbike Christoph Buchegger und Geri Berger. Die erfahrenen Radbauer haben uns zunächst erklärt, wie schwierig und beinahe unsinnig es ist, das Rad neu zu erfinden. Die Proportionen eines Radrahmens sind in den letzten zwei Jahrhunderten sorgfältig erwogen worden und es gibt hier kaum mehr Verbesserungspotenzial. Manch Fertigungsprozesse gehören quasi in die Fabrik, weil sie sich dort besser und viel billiger machen lassen. Dennoch bedarf es einer offenen Plattform, die den Aus- und Weiterbau ermöglicht. Hier haben wir in XYZ Cargo aus Hamburg und Kopenhagen den kongenialen Partner gefunden. Die Fahrzeuge von XYZ Cargo laden dazu ein, erweitert und adaptiert zu werden und genau das tun wir gerade. Wir werden auf der Plattform der XYZ Cargo Trikes den rollenden Salon errichten, der genau unsere spezifischen Anforderungen ermöglicht. Unsere Soundanlage kommt von KS Audio – mit freundlicher Unterstützung des Vertriebspartners Soundtemples in Wolfurt – und sorgt auch unter freiem Himmel für ein Club-reifes Hörerlebnis.

Ach ja, und ganz, ganz wichtig ist natürlich die Sache mit dem Geld. skug ist ein Non-profit-Verein, wir machen keine Advertorials und dergleichen. Bei uns gibt es Berichterstattung, Kunstkritik, aber keine Werbung für Produkte, die doch niemand braucht. Unsere Veranstaltungen sind gratis bzw. bei freier Spende und wir verkaufen auf unserer Seite Werbebanner. Profite sind so ausgeschlossen. Deswegen brauchen wir starke Partner*innen, die uns fördern. Ein solcher Partner ist das Programm Shift der Basis.Kultur.Wien. Ohne diese Förderung wäre der Salon auf Rädern vollkommen ausgeschlossen. Die Investitionen in Material und Designarbeitszeit sind beträchtlich und wären von skug niemals zu stemmen gewesen. Wie gut also, dass es Shift gibt. Das Förderprogramm kann sich auch dieses Jahr wieder sehen lassen und wir sind happy over the moon, bei der Chose dabei zu sein. Über andere Projekte aus dem Shift-Kosmos werden wir in den nächsten Wochen berichten, denn diese sind allesamt eine große Bereicherung für die Pandemie-geplagte Stadt.

Also, es geht los und ist bereits losgegangen. Für all unsere Leser*innen, die mit Fußfessel zu Hause bleiben müssen, dokumentieren wir den Bauprozess und die Veranstaltungen auf diesem Internet-Kanal, alle anderen dürfen zwar auch lesen, können aber gerne ab Mai vor Ort vorbeischauen. Wir freuen uns auf euch!