S. Carey

»Break Me Open«

Jagjaguwar

Der Musiker Sean Carey aus Eau Claire, Wisconsin, ist wohl am ehesten bekannt für seine Rolle als Drummer und Backgroundsänger bei der Band Bon Iver. Bis vor der Veröffentlichung dieses Albums, »Break Me Open«, fand man ihn auf Spotify noch unter dem Künstlernamen »S. Carey of Bon Iver« – man kann also erkennen, dass sich der Musiker mit seinem Soloprojekt von seiner Band distanzieren möchte oder sich zumindest zutraut, nicht nur wegen seiner Arbeit dort Bekanntheit zu erlangen. Seine zuvor erschienenen Alben sind alle dem akustikgitarrenzentrierten Folk zuzuordnen, damit bricht Carey auf dem neuen Album, wo Gitarren eigentlich keine wichtige Rolle spielen. Vielmehr geht es um Synthesizer, Klavier, Gesang, Streicher, Bläser und Produktionstricks. Diese Tendenz ist in den letzten Jahren auch bei Bon Iver zu erkennen. So ist auch Bon Ivers legendäres Messina-Instrument unter anderem auf dem Track »Island« zu vernehmen, auch das versampelte Saxophonspiel, das man schon von »22, A Million« und »i,i« kennt, hört man im Song »Sunshower«. Der Sound des Albums ist allgemein geprägt von atmosphärischen, dichten, melancholischen Klangwelten und deren Auflösung, eingebettet in groß und mächtig daherkommenden Kompositionen, die aber auch die intimen Momente nicht zu kurz kommen lassen – man hört die klassische Ausbildung des Musikers. Thematisch verarbeitet S. Carey auf diesem Album die Scheidung von seiner Frau und die sich dadurch verändernde Beziehung zu seinen Kindern sowie den Tod seines Vaters, keine leichte Kost. Der beste Song des Albums ist das titelgebende »Break Me Open«, er kombiniert alle Themen und Stimmung am schönsten und gehaltvollsten. Alles in allem gelingt S. Carey mit »Break Me Open« ein Release, der viele interessante Sounds in spannende Strukturen bringt, jedoch fehlt es an Höhepunkten und Lockerheit. Auch der vermeintliche Versuch, sich von Bon Iver selbstständig zu machen, gelingt nur bedingt, zumal auch der gleiche Producer, Chris Messina, mitarbeitete.