Orquesta Akokán

»Un Tabaco Para Elegua«

Daptone/Groove Attack

Schon bei den ersten Takten von »Mambo Rapidito«, dem Einstiegssong dieses Albums, steht fest: Das ist kubanische Musik – gespielt von einer kubanischen Band. Dafür spricht nicht nur der Musikstil, Mambo, sondern vor allem Instrumentierung, Interpretation und Klang. Frontmann des Orchesters ist José »Pepito« Gómez, der immer wieder bei einigen der ganz Großen der zeitgenössischen kubanischen Musik als Sänger auftrat, wie zum Beispiel auf den meisten Alben des Pianisten César »Pupy« Pedroso, den er für dieses Projekt auch mit an Bord seines Studio-Ensembles holte. Gómez lebt heute in den USA. Für die Aufnahme dieses Albums flog er aber mit dem Produzenten Jacob Plasse, Mitglied der New Yorker Latin-Band Los Hacheros und Studiomusiker bei Daptone, nach Kuba. Dort stellte er eine Gruppe von Routiniers aus den legendären Bands Los Van Van, Irakere und NG La Banda zusammen und nahm in nur drei Tagen in den altehrwürdigen Estudios Areito (wo auch Ry Cooder vor zwölf Jahren sein »Buena Vista Social Club«-Projekt einspielte) die neun Songs dieses Album auf.

Es ist dem Mambo verpflichtet, jenem Musikstil, der in den 1950ern von Kuba aus mit Perez Prado einen weltweiten Siegeszug antrat, dessen komplexe Rhythmik aber letztlich seiner Popularität bei Tänzern Grenzen setzte. So ist auch dieses Album, das sich einerseits so glatt und flüssig anhört, andererseits eine komplexe und vielschichtige Mischung aus diversen Mambo-Stilen und -Epochen ist. »No Te Hagas« und »La Cosa« verweisen stark auf die 1950er-Jahre, die Blütezeit der Mambo-Orchester, eine Zeit, auf die auch Pupy Pedroso immer wieder Bezug nimmt. Rhythmuswechsel und jazzige Passagen, Percussion-Feuerwerke, swingende Bläser-Arrangements, Piano-Rhythmen und nicht zuletzt Gomez’ Gesang und Wortkaskaden bestimmen das musikalische Bild. Aber als Basis findet sich immer die Grundessenz aller Latin- und Cuban-Stile, die Rhythmen der synkretistischen Götter, hier auch angesprochen mit »Un Tabaco Para Elegua«. Im ständigen Wiederaufgreifen und Neuinterpretieren dieser Wurzeln liegt die ungebrochene Kraft der besten Latin-Musik – so auch hier.

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