Okkyung Lee

»Cheol-Kkot-Sae (Steel.Flower.Bird)«

Tzadik

»Cheol-Kkot-Sae (Steel.Flower.Bird)« von Okkyung Lee ist eine weitere Veröffentlichung aus dem Hause Tzadik, Label des Hunderttausendsassas John Zorn, der hier neben Lee auch produzierend tätig war. Die Geschichte wurde live auf dem Donaueschingen Festival mitgeschnitten. Das hier aufgenommene, vollzogene Ritual von Musik dreht sich vollkommen um die fantastische Lee, die, ursprünglich ausgebildet in europäischer Klassik, hier koreanische Geister beschwört. Was passiert dabei? Eine Stimme (die von Song-Hee Kwon), die Pansori singt (eine klassische koreanische Gesangsform), wird begleitet vom wogenden, ihr langsam folgenden Cello (Lee). Im Hintergrund knarzt es, Perkussion und Schlagzeug gehen auf das immer wilder werdende Cello und den Gesang ein. Irgendwann kommt John Butcher mit einem seiner Saxophone und löst die etwas chaotische Phase mit wunderbar warmer Melodie ab. Quasi im selben Moment wird mit dieser Harmonie wieder gebrochen, durch einen schier unerträglichen Schwall Noise, als würden zwanzig Weinbergschnecken mit jeweils zwanzig Nadeln über eine Schallplatte kriechen. Irgendwann ergibt es »Sinn«, wenn der Gesang aus den wellenförmigen Bewegungen herauslugt: »Ach, da ist ja noch eine Überlebende!« Lasse Marhaug ist der verantwortliche Elektrotechniker, der die Schnecken präparierte. Ein Fiepen bleibt übrig. Und es hält noch länger an, und man will nicht ganz verstehen, wieso. Typisch freie Improvisation! Die hochkarätige Begleitung (u. a. John Edwards am Bass und Zorn-Inventar Ches Smith trommelnd) spielt immer gut, doch nicht immer ist ganz einsichtig, was sich abspielt. Man bewegt sich in luftigen Höhen, Vogelgezwitscher-Sound bezeugt das. Besonders schön wird es an den Stellen, wo etwas »Ruhe« einkehrt, und man wünscht sich, dass es länger so weitergeht. Zum Beispiel, wenn die klassische, koreanische Perkussion soliert und von Cello und einer Art Glockenspiel begleitet wird und wenn dann der Gesang diese Linie mitzieht. Als Zugabe eine kurze Klaviereinlage. Sicher, hier fehlt trotz des wunderschön gestalteten Artworks wieder etwas das Visuelle der ursprünglichen Performance. Trotzdem, die Wucht der Trommeln und des Cellos sind enorm, und auch die übrigen MusikerInnen wissen, was sie tun.