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Primal Scream

»More Light«

Ignition Records

Primal Scream können ja vieles ganz gut, doch das halluzinogeninduzierte Träumen stand ihnen dann eigentlich doch immer besser als der Versuch, more rolling als die Stones zu sein. Der endete nämlich im schlimmsten Fall in solch erbärmlichen Songs wie »Country Girl« von 2006. Von dieser Warte aus betrachtet ist »More Light« eh ganz gut gelungen, schließlich ist die erste Single »It’s Alright, It’s Ok« wieder einmal Stones auf gut. Doch die Qualitäten der Band liegen wie gesagt anderswo. Primal Scream, das ist im Idealfall dizzy, dreamy und eight miles high. Nachzuhören unter anderem auf dem kleinen Geniestreich »Vanishing Point«, der Britpop und Club exzellent vereinte. Die Größe von damals wird die Truppe um Bobby Gillespie wahrscheinlich nie wieder erreichen. »More Light« ist freilich ein Ûberraschungserfolg, der den auch schon etwas älteren Herren ein mittelgroßes Comeback beschert. Und ja, das Songmaterial kann was. Mit aufmüpfiger Unterstützung eines wilden Springinkerl-Saxofons holtern und poltern Songs wie »2013« oder »Hit Void« ungewohnt jugendlich vor sich hin. Ein spezieller Leckerbissen ist der von Robert Plant (ja, die Zitronenpresse von Led Zeppelin!) gesungene, archaische »Elimination Blues«. Zur Spitzenplatte fehlt nicht viel, doch wie so oft stolpert die Band über selbst gelegte Steine, wie etwa ein »Invisible City« betiteltes Party-Kapitalverbrechen, das dem Leitspruch von Franz Ferdinand folgt: »Wir wollen Mädels zum Tanzen bringen«, auch wenn musikalisch nix dahinter steckt. Ebenso entbehrlich sind Verlegenheitsrückgriffe in die 1990er (»Culturecide«). »More Light« ist zwar kein Meisterwerk, die Liste fantastischer Primal Scream-Songs wird mit diesem Album aber ein Stück länger.