Mats Gustafsson

»Live in Tabačka«

Taba ka Records

Das Tabačka ist ein Kulturzentrum im slowakischen Košice, dessen Bau aus kommunistischer Zeit stammt. Diese Live-Platte, ein Mitschnitt eines Konzerts von Mats Gustafsson, Merzbow und Balázs Pándi vom April 2012, ist die erste Veröffentlichung des Anfang 2015 gegründeten Labels Tabačka Records. Das sollte man eventuell berücksichtigen, wenn man sich diese Scheibe anhört. Merzbow und Pándi arbeiteten bereits auf fünf Releases zusammen, in Kombination mit Gustafsson ergibt sich hier ein Treffen höchst renommierter noise boys. Und weil James Plotkin seine Finger an den Mastering-Reglern hatte, kann bei »Live« eigentlich nichts mehr falsch laufen. Pándi drischt in die Drums wie ein Metal- auf Grindcore-Berserker und Merzbow und Gustafsson drehen an den Knöpfen ihrer Elektronikkisten. Gustafsson tritt auf der ersten Vinyl-Seite also eher in seiner Elektronik-Inkarnation Alar Of Flies denn als jazzender Saxofonist auf. Der Presseinfo nach war das Trio durch widrige Umstände erst gut fünfzehn Minuten vor Showbeginn angekommen. Dies mag zu einem Furor geführt haben. Während auf der ersten Seite die drei sich damit abmühen, warm zu werden und in Kommunikation zu treten, wird daraus auf der zweiten Seite eine Interaktion, wobei Gustafssons Saxofon-Drangsalierungen entsprechende Akzente in dieser Feedback- und Schlagzeug-Gebolze- Orgie setzen. Ich frage mich allerdings während des Hörens: Wer braucht das? Denn wenn man sich nicht den Kontext vergegenwärtigt – siehe Einstieg dieser Rezension -, wird es schwierig zu beur- teilen, worin die Relevanz dieser Aufnahme bestehen könnte. Schon klar, Dokumentation und so. Im Gegenzug macht »Live« wieder mal klar, wie notwendig eben Live-Aufnahmen von sagen wir der Einfachheit halber Free Jazz sind, Stichwort Interaktion. Von daher hätte an sich nur die zweite Seite gereicht. Aber gut, eine sehr verdienstvolle Angelegenheit das alles. Vielleicht sollte man sich »Live« eher deswegen besorgen, um das Tabačka zu unterstützen und sich somit die Wartezeit auf ein Album dieses an sich formidablen Trios zu verkürzen.